Banner st-gerner.de

Hexen

Zu Halloween 2017 haben wir auf Kibo.FM ein umfangreiches Hexen-Special gesendet, in welchem wir den Hörern nicht nur Hexen im Allgemeinen näher brachten, sondern auch bekannte Hexen aus Animes oder Disney-Filmen vorstellten. Alle Infos aus der 3-stündigen Sendung könnt ihr hier nun noch einmal nachlesen.

Bitte auswählen:


Klassische Hexen

Das klassische Bild einer Hexe ist eine alte, sehr alte Frau mit schwarzen Gedanken - aber prinzipiell ist eine Hexe einfach nur eine magiebegabte Dame. Sie muss nicht zwingend böse und erst recht nicht alt sein - bestes Beispiel ist etwa Hermine aus Harry Potter, die ja weder das eine noch das andere ist! Im folgenden Special versuchen wir, euch einen umfassenden Überblick über Hexerei und Hexenkult zu geben. In diesem Sinne: Hex-Hex! ^^

Das Wort "Hexe" leitet sich vom althochdeutschen "hagzissa" ab. Was aber die genaue Bedeutung von "hagzissa" war, ist in Vergessenheit geraten. Der Wortstamm "hag" lässt sich mit "Zaun" oder "Hecke" übersetzen. Man vermutet, dass dieses "hag" mit einer Abwandlung des norwegischen "tysja" verknüpft wurde, was "Elfe" heißt. Demnach wäre eine Hexe im ursprünglichen Wortsinne also eine Heckenelfe.

Das Wort "hegsen brand" - damals noch mit "gs" statt "x" geschrieben - taucht erstmals Anfang des 15. Jahrhunderts in einem Rechnungsbuch aus Schaffhausen auf, und damit ist eine Hexenverbrennung gemeint. Tatsächlich war es im abergläubischen Mittelalter gang und gäbe, dass zahlreiche unschuldige Frauen auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden, nur weil sie sich vielleicht ein bisschen mit Kräutern auskennen. Man schätzt, dass allein in Deutschland rund 40.000 Frauen auf diese Weise sterben mussten. Eine faire Chance hatten die angeblichen Hexen dabei nicht. Zwar gab es Hexenproben, bei denen sie vermeintlich beweisen konnten, keine Hexe zu sein. Dabei wurden sie in eine ausweglose Situation gebracht, etwa gefesselt ins Wasser geworfen. Wenn sie es schafften, sich irgendwie aus dieser Situation zu befreien, war das ihr Todesurteil, weil sie dann zweifellos Hexen sein mussten. Und wenn nicht, dann waren sie in der Regel trotzdem tot. Eine der bekanntesten Frauen, die damals als Hexe sterben mussten, war Jeanne d'Arc, deren Lebens- und Leidensgeschichte von Friedrich Schiller in dem Drama Die Jungfrau von Orleans aufbereitet wurde. In einigen Hochburgen der Hexenverfolgung erinnern heute Gedenksteine an die grausamen Geschehnisse. In manchen Teilen Afrikas wird die Hexenverfolgung dagegen bis heute praktiziert.

Zeichnung einer Hexenverbrennung (1555)
Finsteres Mittelalter: Allein in Deutschland mussten rund 40.000 unschuldige Frauen als Hexen auf dem Scheiterhaufen sterben • Zeichnung einer Hexenverbrennung aus Derenburg (1555)

In fast allen Kulturen fanden Hexen auch Einzug in die klassischen Märchen. Aus dem deutschsprachigen Bereich ist Hänsel und Gretel ein sehr bekanntes Beispiel, wahrscheinlich sogar überhaupt das bekannteste. Das Märchen stammt aus der Sammlung der Brüder Grimm und wurde erstmals im Jahr 1812 gedruckt. Die Geschwister Hänsel und Gretel werden darin von ihren Eltern, armen Holzfällern, im Wald ausgesetzt, weil sie sie nicht mehr versorgen können. Die Kinder irren eine Weile lang durch den Wald und stoßen dann zufällig auf ein Lebkuchenhaus. Sie essen sich erst einmal richtig satt - aus dieser Stelle stammt das berühmte Zitat: "Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" "Der Wind, der Wind, das himmlische Kind!"

Viel zu spät merken Hänsel und Gretel, dass in dem Haus tatsächlich eine Hexe lebt, die sich von Kindern ernährt. Auch Hänsel soll nun als Mahlzeit für die Hexe enden, während Gretel als Dienstmagd am Leben bleiben darf. Doch zum Glück für die Kinder ist die Hexe sehr kurzsichtig. Sie will Hänsel eine Zeit lang mästen und will regelmäßig seinen Finger fühlen, um zu testen, ob er schon zugenommen hat - Hänsel gibt ihr aber jedes Mal nur ein dünnes Stöckchen zu fassen. Als die Hexe dann eines Tages ungeduldig wird und beschließt, trotzdem den Backofen anzuheizen, gelingt es Gretel, die Hexe selbst ins Feuer zu stoßen.

Das Märchen Hänsel und Gretel wurde nicht nur mehrfach verfilmt, sondern auch von Engelbert Humperdinck zu einer kindgerechten Oper umgearbeitet. Außerdem gibt es ein gleichnamiges Kinderlied, das in drei Strophen die ganze Geschichte zusammenfasst. Und sogar von Disney gibt es einen Kurzfilm: Dieser ist Bestandteil des Mickys Clubhaus-Halloween-Specials Verschwörung der Superschurken und setzt Micky und Minnie als Hänsel und Gretel ein.

Zeichnung zu Hänsel und Gretel
"Knusper, knusper, knäuschen, wer knuspert an meinem Häuschen?" Hänsel und Gretel treffen die Hexe am Lebkuchenhaus • Zeichnung von Ludwig Richter (1803 - 1884)

Aber nicht nur in deutschen Märchen gibt es Hexen, sondern weltweit. Sehr bekannt ist etwa Baba Jaga aus der slawischen Mythologie, die in zahlreichen Märchen auftaucht. Ähnlich wie die Hexe aus Hänsel und Gretel ernährt sich auch Baba Jaga von Menschen und dekoriert ihren Gartenzaun mit den Schädeln ihrer Opfer. Ihre Hütte steht auf Hühnerbeinen, und in den ältesten Erzählungen kann sie diese Hütte nicht verlassen, weil ihre Zauberkraft an diesen Ort gebunden ist. Im Gegensatz zur klassichen europäischen Hexe, fliegt Baba Jaga nicht zwingend auf einem Besen, sondern oft auch in einem überdimensionalen Mörser - das ist eine spezielle Schüssel, in der man Kräuter verkleinert. In modernisierter Form tritt Baba Jaga übrigens auch in World of Winx auf.

In Finnland kennt man die Hexe Louhi, die im finnischen Nationalepos Kalevala die bösartige Herrscherin des Nordlandes ist. Sie stellt Männern nahezu unlösbare Aufgaben und verspricht ihnen als Lohn ihre bildschöne Tochter. So soll der Schmied Ilmarinen beispielweise den Sampo schmieden, eine Zaubermühle, die Goldstücke ausspucken kann. Später wird der Sampo gestohlen und Louhi verwandelt sich in einen riesigen Adler, um ihren Schatz zurück zu erobern. Doch im darauf folgenden Kampf wird der Sampo zerstört.

Zeichnung zum Kalevala
Kampf um den Sampo: Louhi in Gestalt eines Adlers versucht, ihre Goldmühle zurück zu erobern • Zeichnung von Akseli Gallen-Kallela (1865 - 1931)

Disney-Comic-Fans kennen in diesem Zusammenhang vielleicht auch die Geschichte Die Jagd nach der Goldmühle von Don Rosa, die im Jahr 1999 entstand. Darin erfährt Dagobert Duck vom Sampo und beschließt, diesen neu zu erschaffen. Im Lauf der Geschichte rutschen die Ducks immer weiter in das Kalevala hinein, wobei sich Louhi später auch mit Gundel Gaukeley verbündet. Aber über die Disney-Hexen sprechen wir später noch ausführlicher.

In Italien übernimmt eine Hexe sogar die Rolle des Weihnachtsmanns! Sie heißt Befana und fliegt in der Nacht zum 6. Januar auf ihrem Besen von Haus zu Haus, bringt den braven Kindern Geschenke mit und bestraft die bösen Kinder. Dabei ist sie die ganze Zeit auf der Suche nach dem Jesuskind und orientiert sich dabei am Stern von Bethlehem. Die Krippe kann sie aber trotzdem nicht finden, weil sie einfach zu spät dran ist.


Hexen in Japan

Auch in der japanischen Kultur gibt es zahlreiche Hexen. Das schließt nicht nur Animes mit ein, sondern auch uralte Mythen. So glauben die Japaner etwa an die Schneehexe Yuki Onna. Je nach Überlieferung warnt sie entweder vor Schneestürmen oder lockt Wanderer bewusst in die Schneestürme hinein, was zur Folge hat, dass sie sich hoffnungslos verirren und erfrieren. Oft wird Yuki Onna nicht nur als Hexe, sondern auch als Yo-kai bezeichnet - was in diesem Fall nichts mit Yo-kai Watch zu tun hat, denn tatsächlich sind Yo-kai einfach diverse Geisterwesen aus der japanischen Mythologie. Dargestellt wird Yuki Onna in der Regel als eine hochgewachsene blasse Frau mit langen schwarzen Haaren, die ein langes weißes Gewand trägt.

Eine andere klassische Hexe aus der japanischen Mythologie ist die Berghexe Yamauba. Sie lauert in Wald- und Bergregionen ihren Opfern auf und soll sich dabei teilweise wie ein Raubtier benehmen. Oft wird sie sogar mit zwei Mündern beschrieben - oder mit nur einem, der sich jedoch über das gesamte Gesicht ausbreitet. Allerdings hat selbst ein Monster wie Yamauba eine gute Seite: In dem Märchen Kintaro ist sie die Ziehmutter des gleichnamigen Helden, der sich gut mit Tieren versteht und später zu einem legendären Samurai wird. In den 90er Jahren kam außerdem in Tokyos Jugendviertel Shibuya der Modetrend Yamamba (oder Ganguro) auf. Dabei werden die Haare gebleicht und braun gefärbt sowie weißes Make-up aufgetragen, damit man selbst wie eine Berghexe aussieht.

Ganguro.jpg
Berghexen in der U-Bahn? Der japanische Ganguro-Trend macht's möglich! • Foto: moof, Lizenz: Creative Commons BY 2.0

Zu den bekanntesten Anime-Hexen zählt Kiki aus dem Studio-Ghibli-Meisterwerk Kikis kleiner Lieferservice. Dieses stammt von Großmeister Hayao Miyazaki und kam 1989 heraus, in Deutschland erst 2005. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Kinderbuch von Eiko Kadono und erzählt von der Junghexe Kiki, die nun lernen soll, auf eigenen Füßen zu stehen. Ihre erste Anstellung findet sie in einer Bäckerei, für die sie auf ihrem Besen die Ware ausliefern soll. Nach einem Unfall verfällt Kiki aber in große Selbstzweifel, wodurch sie sogar Gefahr läuft, ihre Hexenkräfte zu verlieren.

Musikalisch wird es im Anime DoReMi von 1999, in Deutschland erstmals 2001 auf RTL II. Die etwas tollpatschige Doremi verläuft sich und landet im Magic-Shop der Hexe Majo-Rika (im Deutschen Mahorka genannt). Dort entlarvt sie die Ladenbesitzerin als Hexe, welche sich daraufhin in einen grünen, etwas seltsamen Frosch verwandelt. Das liegt daran, dass von der ehemaligen Königin, die schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht hat, ein Fluch auf die Menschenwelt gelegt wurde, um jede Hexe, die von einem Menschen erkannt wird, in eben so einen Frosch zu verwandeln, um zu verhindern, dass Hexen das Risiko eingehen, die Menschenwelt zu betreten und ähnlich schlimme Erfahrungen machen wie sie. Zur Strafe verdonnert Mahorka Doremi dann dazu, ihre Schülerin zu werden, damit sie schließlich als Hexe den Fluch von ihr lösen kann - das kann nämlich nur die Person, die ihn auch ausgelöst hat. Im Verlauf der Serie schließen sich auch Doremis Freundinnen Sophie und Emilie, ihre Schwester Bibi und der Kinderstar Nicole dem Hexenunterricht von Mahorka an. Gezaubert wird hierbei mit besonderen Musik-Instrumenten, den sogenannten Krakordeonen, und Magical-Girl-typisch verwandeln sie die Mädchen auch, bevor sie zaubern können. Leider erfährt man in der deutschen Fassung nicht, ob es ihnen letztendlich gelingt, den Hexenfluch zu brechen, denn von vier Staffeln und einer OVA sowie zwei Kurzfilmen kamen nur die ersten beiden Staffeln auch zu uns.

Screenshot aus DoReMi
Hier kommt die Magie: Doremi und ihre Freundinnen müssen selbst Hexen werden, nachdem sie aus Versehen eine Hexe enttarnt haben.

In der fangemachten Manga-Fortsetzung Magical Fami trifft Doremis Enkelin Fami ebenfalls auf Mahorka. Mit dem Ziel, eines Tages per Magie in die Vergangenheit reisen zu können und ihre inzwischen verstorbene Großmutter noch ein letztes Mal wiedersehen zu können, bettelt sie Mahorka so lange an, ihre Schülerin zu werden, bis diese trotz Verbot der Hexenkönigin nachgibt. Sie und drei Freundinen von ihr werden schließlich zu Majini, was eine neue Form der Hexenschülerinnen darstellt, und lernen nicht nur das Zaubern und müssen Hexenprüfungen bestehen, sondern werden auch in die Pläne der neuen Königin Hanna hineingezogen, die Hexen- und die Menschenwelt endlich wieder miteinander zu vereinen. Der Manga wird, trotzdem er ein Fanwerk ist, sehr professionel gemacht und fängt zeichnerisch wie inhaltlich den Stil der Serie sehr gut ein. Fans von DoReMi kann man den Manga jedenfalls sehr empfehlen, er ist kostenlos unter www.magicalfami.net abrufbar. Neben dem französischen Original und der englischen Übersetzung gibt es sogar eine deutsche Übersetzung, die aktuell in Arbeit ist, allerdings sind davon erst zwei der bislang 40 Kapitel erschienen. Das Original liegt momentan bei ca. der Hälfte des siebten von zehn geplanten Volumes und wird daher wohl auch noch einige Zeit weiterlaufen.

In Madoka Magica hingegen treffen wir auf eine ganz andere Form von Hexen. Hier sind die Hexen seltsame, böse Wesen, die von normalen Menschen nicht wahrgenommen werden können. Sie ergreifen Besitz von Menschen und kontrollieren diese dann - man sagt, für einen Großteil unerklärlicher Selbstmorde seien in Wahrheit Hexen verantwortlich. Dabei verstecken sie sich immer innerhalb eines Bannkreises, einer Art magischem Labyrinth. Ihnen gegenüber stehen die Magical Girls, von dem Wesen Kyubey ausgewählte Mädchen, die im Austausch für die Erfüllung eines beliebigen Wunsches mit Zauberkräften und Waffen ausgestattet gegen Hexen kämpfen und diese töten müssen, was auch für die Magical Girls nicht ganz ungefährlich ist. Das Ganze hat einen ziemlich gemeinen Hintergrund, dem sich die Mädchen selbst zu Anfang gar nicht bewusst sind, und auch zwischen den Magical Girls und den Hexen besteht eine traurige Verbindung. Madoka Magica schlägt generell eine für das Magical-Girl-Genre sehr düstere und tiefsinnigere Stimmung an und begeistert daher sowohl klassische Magical-Girl-Fans als auch solche, die mit dem Genre normalerweise eher wenig anfangen können.

Screenshot aus Madoka Magika
Hexen mal ganz anders: Die Zauberinnen in Madoka Magica haben mit den klassischen Märchen-Hexen etwa so viel zu tun, wie die ganze Serie mit anderen Magical-Girl-Animes - so gut wie nichts!

Ein relativ aktuelles Beispiel wäre dann noch Little Witch Academia. Die 2017 erschienene Animeserie, der ein Anime-Kurzfilm von 2013 zugrunde liegt, handelt von dem Mädchen Akko, das als erster normaler Mensch an die Hexenschule Luna Nova aufgenommen wird. Seit ihrer Kindheit ist sie ein großer Fan der weltberühmten Show-Hexe Shiny Shario, welche auf eben dieser Schule ihre Hexenkunst lernte, und ist daher umso begeisterter, die gleiche Schule besuchen zu können. Da sie allerdings nicht von Hexen abstammt, fällt es ihr sehr schwer, das Zaubern zu erlernen, und nebenbei scheint im Zeitalter der Moderne und Technik auch die Hexenkunst im Allgemeinen immer mehr an Bedeutung zu verlieren. Die 26-teilige Serie ist außerhalb Japans, auch hierzulande, auf Netflix erschienen.


Hexen bei Disney

Selbstverständlich treten auch bei Disney zahlreiche Hexen auf. Eine der bekanntesten von ihnen ist Gundel Gaukeley, eine schwarzhaarige Entendame mit magischen Kräften, die in einer Hütte am Rande des Vesuv lebt. Sie will ein Amulett erschaffen, das ihre Kräfte vergrößert, und benötigt dazu die erste Münze, die der reichste Mann der Welt selbst verdient hat - also Dagobert Ducks Glückszehner, den dieser bekanntlich nie aus der Hand gibt! Am Anfang hat Gundel Gaukeley dabei noch versucht, den Zehner legal zu kaufen - inzwischen versucht sie es immer wieder mit Gewalt, Erfolg hatte sie bislang jedoch nicht.

Erdacht wurde Gundel Gaukeley von Carl Barks, der überhaupt einen Großteil des heutigen Entenhausen erfunden hat. Im Original trägt sie den dreisprachigen Namen Magica de Spell: "Magica" ist Italienisch für "Magie", "de" ist die französische Entsprechung zu "von", und unter "Spell" versteht man im Englischen einen Zauberspruch - wörtlich übersetzt könnte die Gute also "Zauberei von Zauberspruch" heißen. In der 2017er-Neuauflage von Duck Tales wird übrigens Lena als Nichte von Gundel Gaukeley neu eingeführt.

Foto aus Donald Duck
Noch versucht sie's im Guten: Gundel Gaukeley schlägt bei Onkel Dagobert auf, um dessen erste selbstverdiente Münze zu kaufen - und beißt auf Granit!

Während das Duck-Universum von Gundel Gaukeley unsicher gemacht wird, schwirrt im Maus-Universum Hicksi herum, die in manchen Übersetzungen auch Hedwig heißt. Sie hat ihre große Herausforderung in Goofy gefunden. Der glaubt nämlich partout nicht an Hexen, weswegen Hicksi es sich zur Aufgabe gemacht hat, Goofy von deren Existenz zu überzeugen. Goofy findet aber für jede von Hicksis Hexereien eine erstaunlich logische Erklärung, was Hicksi zur Verzweiflung treibt.

In den abendfüllenden Disney-Zeichentrickfilmen ist vor allem Madam Mim zu erwähnen. Sie ist die Hexe aus Die Hexe und der Zauberer, wobei es sich um eine sehr, sehr freie Interpretation der englischen König-Artus-Sage handelt. Sie tritt in einem Zauberduell gegen Zauberer Merlin an. Dabei geht es darum, sich in verschiedene Tiere zu verwandeln und in dieser Form seinen Gegner zu besiegen. Madam Mim verwandelt sich letztlich in einen monströsen Feuerdrachen - woraufhin sich Merlin in einen winzigen Grippevirus verwandelt und den Drachen mit einer schweren Grippe flachlegt.

Screenshot aus Die Hexe und der Zauberer
Merlins Gegnerin: Die hinterlistige Madam Mim ist die Hexe aus Die Hexe und der Zauberer.

Überraschenderweise keine Hexe ist Maleficent aus Dornröschen, die später auch ihren eigenen Realfilm bekam. Sie ist aber in Wirklichkeit eine böse Fee. Genau genommen ist sie die 13. Fee, die im Gegensatz zu zwölf anderen Feen nicht zu Prinzessin Auroras Geburt eingeladen wird - offizielle Begründung aus dem Original-Märchen ist, dass einfach nicht genug Geschirr für einen 13. Gast vorhanden ist. Maleficent schürt daraufhin Rachegedanken und sorgt dafür, dass sich Aurora an einer verfluchten Spindel sticht und in einen tiefen Schlaf fällt.

Eine waschechte Hexe ist dagegen Ursula aus Arielle, die Meerjungfrau, eben eine Meereshexe. Sie hegt schon lange Rachegedanken gegen Arielles Vater und sieht ihre Chance gekommen, als sie mitkriegt, dass sich Arielle in den Prinzen Eric verliebt hat und sich seitdem nach der Menschenwelt sehnt. Ursula bietet Arielle den heimtückischen Deal an, sie für drei Tage in einen Menschen zu verwandeln. Schafft sie es in dieser Zeit, einen Kuss von Eric zu erlangen, darf sie für immer ein Mensch bleiben - wenn nicht, geht ihre Seele in Ursulas Besitz über. Die Schwierigkeit dabei ist, dass Ursula als Bezahlung für ihre Dienste bereits Arielles Stimme an sich genommen hat. Und so ganz stumm ist es für Arielle nahezu unmöglich, Eric von sich zu überzeugen.

Screenshot aus Arielle, die Meerjungfrau
Hexe des Meeres: Ursula bietet Arielle einen heimtückischen Deal an, um Rache an ihrem Vater zu nehmen.

Eher unbekannt ist der Real-Trick-Mischfilm Die tollkühne Hexe in ihrem fliegenden Bett, aus dem Jahr 1971. Dieser spielt in England zur Zeit des zweiten Weltkriegs. Damals wurden die Kinder aus den gefährdeten Großstädten zu Gast-Eltern auf dem Land geschickt, damit sie in Sicherheit sind. Die drei Geschwister Charles, Carrie und Paul landen bei Miss Caroline Price - und beide Parteien sind am Anfang nicht sonderlich begeistert voneinander. Die Kinder planen schon ihre Flucht zurück ins heimische London, als sie zufällig herausfinden, dass ihre Gastmutter in Wirklichkeit eine Hexe kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung ist. Als Preis dafür, dass sie nichts verraten, erhalten die Kinder von Miss Price einen verzauberten Bettknauf, der das entsprechende Bett zum Fliegen bringen kann. Kurz darauf erreicht Miss Price ein Brief, in dem sie erfährt, dass das Hexeninstitut aufgrund des Krieges geschlossen wurde - und das so kurz vor dem Ende ihrer Ausbildung! Daraufhin beschließt die Hexe, zusammen mit den Kindern in dem fliegenden Bett nach London zu reisen, um sich selbst um die letzte Lektion ihrer Ausbildung zu kümmern. Die deutsche Version des Films ist allerdings stark gekürzt, da sämtliche Szenen, in denen Nazis zu sehen sind, herausgeschnitten wurden.

Nicht zu vergessen ist schließlich das Fantasy-Epos Die Chroniken von Narnia, wobei leider nur drei von insgesamt sieben Büchern verfilmt wurden. Im ersten Teil, Der König von Narnia, spielt die Weiße Hexe die böse Hauptrolle: Sie hat die Herrschaft über Narnia an sich gerissen und ewigen Winter über das Land gebracht. Da nun aber der mächtige Löwe Aslan zurück kehrt, sieht die Weiße Hexe ihre Macht in Gefahr. Just zu dieser Zeit gelangen aber auch vier englische Kinder durch einen verzauberten Kleiderschrank nach Narnia. Die Weiße Hexe will versuchen, diese Kinder für ihre Zwecke zu gebrauchen, und lockt recht schnell den jungen Edmund auf ihre Seite.


Weitere Hexen

Im folgenden Absatz wollen wir noch eine Auswahl der Hexen ansprechen, die in den bisherigen Themenblöcken nicht dazu gepasst haben. Und da muss - ob es einem gefällt oder nicht - auch Bibi Blocksberg erwähnt werden, schließlich sind ihre Hörspiele wahnsinnig erfolgreich. Bibi (eigentlich Brigitte) ist eine 13-jährige Hexe, die in einer ganz alltäglichen Umgebung lebt. Ihre Mutter ist ebenfalls eine Hexe, ihr Vater dagegen ein stinknormaler Mensch. Ihre Zauberkräfte nutzt Bibi gern, um Streiche zu spielen, aber auch, um anderen zu helfen. Erdacht wurde die Hörspielreihe Anfang der 80er Jahre von Elfie Donnelly. Übrigens spielen die Geschichten im gleichen Universum wie Benjamin Blümchen - in dessen eigener Serie gibt es sogar ein Crossover mit Bibi Blocksberg.

Man muss kein Fan von Bibi Blocksberg sein, aber dafür bin ich ein großer Fan der Schlümpfe. In der alten Schlümpfe-Zeichentrickserie gibt es gleich zwei nennenswerte Hexen. Die eine heißt Hogatha: Sie ist kleinwüchsig und nicht besonders hübsch, weswegen sie nach einem Weg sucht, um schöner zu werden. Als Haustier hält sich Hogatha einen Geier, den sie auch als Reittier nutzt. Eine andere Hexe aus dem Schlumpfenland ist Clorhythris. Sie durfte selbst niemals eine glückliche Liebe erfahren, weswegen sie einen tiefen Hass entwickelt hat und nun versucht, sämtliche Liebe der Welt zu vernichten. Beide Hexen kamen in den ursprünglichen Comics nicht vor, sondern wurden speziell für die Zeichentrickserie erschaffen. Zumindest Hogatha hat nun aber in ein paar neueren Comics kleine Auftritte.

Screenshot aus Die Schlümpfe Screenshot aus Die Schlümpfe
Verhext und zugeschlumpft: In Die Schlümpfe schlumpfen gleich zwei Hexen ihr Unwesen. Hogatha (links) will die Schönste werden, während Clorhythris (rechts) auf eine Welt ohne Liebe sinnt.

In Winx Club gibt es ebenfalls neben den Feen und Zauberern auch Hexen. Diese werden im Wolkenturm unterrichtet und gelten generell eher als böse. Die drei Haupt-Antagonistinnen der ersten Staffel - Icy, Darcy und Stormy - sind Schülerinnen des Wolkenturms und die direkten Nachfahrinnen der drei Ur-Hexen. Sie übernehmen in der ersten Staffel die Hexenschule und greifen das Zauberreich Magix mit der Armee der Finsternis an. In den späteren Staffeln schließen sie sich meist dem neuen Bösewicht, etwa Lord Darkar oder Valtor, an und treten mit Ausnahme der vierten Staffel und der Spin-Off-Serie in jeder Staffel der Serie auf. Aber es gibt auch gute Hexen wie beispielsweise Myrta, die sogar später von Hexe zu Fee konvertiert (und ja, das scheint problemlos zu gehen), oder auch Direktorin Griffin, die zwar einen recht gemeinen Eindruck macht, dennoch wenn es drauf ankommt für Gerechtigkeit in der magischen Welt einsteht. Grundsätzlich haben Hexen hier aber einen eher bösen Touch.

Von dem bekannten Kinderbuch-Autor Otfried Preußler stammt das Buch Die kleine Hexe. Sie ist mit nur 127 Jahren noch viel zu jung, um am Hexentanz auf dem Blocksberg teilzunehmen. Sie versucht es trotzdem, wird dabei erwischt und zur Strafe aus der Gemeinschaft der Hexen ausgeschlossen - mit einer Maßgabe: Wenn sie es schafft, innerhalb eines Jahres eine "gute Hexe" zu werden, dann wird sie wieder aufgenommen und darf dann auch am Hexentanz teilnehmen. Die kleine Hexe legt sich daraufhin ins Zeug und vollbringt ein Jahr lang eine gute Tat nach der anderen. Doch als das Jahr vorüber ist und die nächste Walpurgisnacht kommt, folgt auch das böse Erwachen, denn die kleine Hexe hat etwas ganz gewaltig falsch verstanden.

Walter Moers' Roman Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär ist - obwohl Käpt'n Blaubär die Hauptrolle spielt - kein Kinderbuch! Der Roman erzählt die Jugendgeschichte des Lügenbärs, und in einem Kapitel verschlägt es ihn in einen finsteren Wald. Dort stößt er auf ein Haus, in dem ein hübsches Blaubärmädchen auf ihn wartet. Das Problem ist, dass das Blaubärmädchen in Wirklichkeit eine Waldspinnenhexe ist, eine Art Mischung aus Hexe und Riesenspinne. Sie gaukelt ihren Opfern andere Realitäten vor, damit sie nicht merken, wie sie sich hoffnungslos im Spinnennetz verheddern. Käpt'n Blaubär kann der Hexenspinne nur knapp entkommen, indem er ... äh, wenn ihr das wissen wollt, lest das Buch!

Übrigens war Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär der Auftakt der Zamonien-Reihe. In den späteren Bänden kommt Käpt'n Blaubär selbst zwar nicht mehr vor, die Waldspinnenhexe hat aber im zweiten Band Ensel und Krete - eine Parodie auf Hänsel und Gretel - noch einmal einen Auftritt.

Screenshot aus Mario & Luigi: Superstar Saga Screenshot aus Banja Kazooie
Hexe aus dem Bohnenland: Lugmilla hat Prinzessin Peach ihre Stimme gestohlen - Mario und Luigi eilen zur Rettung! Grün und grässlich: Die giftfarbene Gruntilda ist die Haupt-Gegnerin aus dem Rare-Klassiker Banjo Kazooie.

Natürlich müssen wir als Nintendo-Fanboys auch mindestens eine Nintendo-Hexe mit aufnehmen. Da bietet sich ganz besonders Lugmilla aus Mario & Luigi: Superstar Saga an, dem ersten Teil der Mario & Luigi RPG-Reihe. Sie benötigt die Sternbohne, um das Bohnenland regieren zu können - und um an die Sternbohne heranzukommen, benötigt sie Prinzessin Peachs Stimme, welche sie daher kurzerhand klaut und durch Bomben ersetzt. Mario und Luigi verfolgen daraufhin Lugmilla ins Bohnenland, um Peachs Stimme zurück zu erobern - in Begleitung von Bowser persönlich, der ebenfalls Interesse daran hat, dass Peach ihre normale Stimme zurück erhält. Denn so lange Peach Bomben spuckt, ist sie ja eine Gefahr für Bowsers schönen Kerker! Die Mission läuft dann aber aus dem Ruder, als Lugmillas Geist in Bowsers Körper transferiert wird. Wer das Abenteuer noch nicht kennt, hat jetzt übrigens die Chance, es doch noch zu erleben, denn gerade erst Anfang Oktober kam eine Neuauflage für den Nintendo 3DS heraus.

Auch in Hyrule gibt es die eine oder andere Hexe. Beispielsweise die freundliche Hexe aus Zelda: A Link to the Past, die in der Nähe von Zoras Wasserfall einen kleinen Laden aufgemacht hat, in dem sie Zaubertränke verkauft. Zudem verarbeitet sie für Link einen Pilz zu einem Zauberpulver, mit dessen Hilfe der Held bestimmte Monster in Feen verwandeln kann.

Weitere Videogame-Hexen sind beispielsweise die grünhäutige Gruntilda, eine Haupt-Gegnerin aus dem Rare-Klassiker Banjo Kazooie. Oder Bayonetta aus dem gleichnamigen Hack'n'Slay: Sie wurde bei einer Hexenprobe ins Wasser geworfen, taucht aber 20 Jahre später wieder auf und sucht nun das Rechte Auge, weil sie hofft, dadurch ihre verloren gegangenen Erinnerungen zurück zu erlangen. Durch einen DLC wurde Bayonetta später auch in Super Smash Bros. für Wii U / Nintendo 3DS als Kämpferin hinzugefügt. Und nicht zu vergessen die Junghexe Hazel aus Fantasy Life, wo sie allerdings nur eine Nebenrolle spielt. Die Lehrmeisterin von Hazel - und auch von euch selbst, wenn ihr Magier werden wollt - ist die schwarze Katze Pokus. Tatsächlich sind Hexen in fast allen Kulturen gern mit schwarzen Katzen im Bunde.

Zuletzt sei schließlich die Pumuckl-Episode Pumuckl auf Hexenjagd erwähnt. Eine echte Hexe kommt darin zwar gar nicht vor, aber der rothaarige Kobold hat zufällig Bruchstücke des Märchens Hänsel und Gretel belauscht. Er weiß natürlich nicht, was ein Märchen ist, und hält die Erzählung, dass zwei Kinder im Wald von einer Hexe gefangen gehalten werden, für die reine Wahrheit. Und so überredet er Meister Eder zu einer erfolglosen Suche nach dem Knusperhäuschen.


Danke für Mithilfe am Text, insbesondere am Abschnitt "Hexen in Japan", an Flo2912

Bildnachweis: Alle Screenshots in diesem Artikel sind selbst erstellt. Das Copyright liegt bei den Rechteinhabern der jeweiligen Filme, Serien und Spiele.
Arielle, die Meerjungfrau, Donald Duck, Die Hexe und der Zauberer: © Disney, Banjo Kazooie: © Rare, DoReMi: © Toei Animation, Madoka Magica: © Shaft Inc., Mario & Luigi RPG: © AlphaDream, Nintendo, Die Schlümpfe: © Peyo & I.M.P.S.


Letzte Änderung: 04.11.2017 • ImpressumDatenschutzNach oben