SUPER NINTENDO

Ende September bringt Nintendo den Nachfolger des NES Classic Mini in den Handel: Das Super Nintendo Classic Mini! Wie bereits vor einem Jahr beim NES, handelt es sich auch diesmal wieder um einen verkleinerten Nachbau der alten Konsolen mit 21 ausgewählten vorinstallierten Spiele-Klassikern. Dazu gehören neben Nintendos eigenen Meilensteinen wie "Super Mario World", "Super Mario Kart", "Yoshi's Island" und "Zelda: A Link to the Past" auch einige Meisterwerke von anderen Publishern - etwa "Mega Man X", "Super Street Fighter II Turbo" und "Super Mario RPG".

Eine ganz besondere Erwähnung ist aber vor allem "Star Fox 2" wert: Der Nachfolger für den Weltraum-Klassiker "Starwing" wurde zu SNES-Zeiten bereits fertig entwickelt, aber nicht mehr veröffentlicht, da man sich stattdessen auf den N64-Nachfolger "Lylat Wars" konzentrieren wollte. Zwar geistert "Star Fox 2" bereits seit einigen Jahren höchst inoffiziell durch die Emulatoren-Szene, erfährt auf dem Super Nintendo Classic Mini aber seine offizielle Erstveröffentlichung.

Wie bereits beim NES Classic Mini, wird auch das kleine Super Nintendo wieder per USB mit Strom versorgt. Im Gegensatz zum NES werden allerdings gleich zwei Controller mitgeliefert, wobei auch das Kabel um einen guten halben Meter verlängert wurde. Allerdings soll es, wie bereits beim NES, nicht möglich sein, weitere Spiele aufzuspielen - zumindest nicht von offizieller Seite! Das kleine NES wurde damals allerdings recht schnell gehackt, so dass Bastler die Möglichkeit bekamen, eigene ROMs zu installieren. Ob das auch beim Super Nintendo wieder funktionieren wird, bleibt abzuwarten, aber wie gesagt, das würde sowieso tief ins Inoffizielle abdriften.

Das zugrunde liegende Super Nintendo - mit vollem Namen: Super Nintendo Entertainment System bzw. abgekürzt auch Super NES - erschien in Japan erstmals am 21. November 1990 als Super Famicom. Der deutsche Release folgte am 15. August 1992 - damals war es normal, dass wir im Westen bis zu zwei Jahre auf neue Konsolen und Spiele warten durften. Das Super Nintendo gehört damit zur 4. Konsolen-Generation, zusammen mit seinem ärgsten direkten Konkurrenten, dem Sega Mega Drive. Der Neupreis lag bei rund 300 Mark, was nach heutiger Kaufkraft etwa 230 Euro entsprechen würde.

Als Launch-Titel erschien damals u.a. "Super Mario World", welches den Konsolen auch direkt beilag. Das Spiel war der direkte Nachfolger des NES-Klassikers "Super Mario Bros. 3" und trägt in der japanischen Erstauflage sogar noch den Untertitel "Super Mario Bros. 4". Abgesehen von der ohnehin sehr hohen spielerischen Qualität, ist das Spiel vor allem deshalb relevant, weil der kleine Dinosaurier Yoshi darin debütierte. Auch ich wurde damals, als 9-jähriges Kind, durch "Super Mario World" zu dem Yoshi-Fan, der ich noch heute bin. Kleine Anekdote dazu: Kurz vor meinem Geburtstag im Jahr 1993 waren meine Eltern losgezogen, um ein Super Nintendo für mich zu kaufen, und sahen im Laden zufällig auch einen Plüsch-Yoshi. Mein Vater hatte Bedenken, weil ich mir das Plüschi nicht ausdrücklichst gewünscht hatte, aber meine Mutter hatte so ein Gefühl und hat den kleinen Yoshi einfach mal gekauft. Und als der großte Tag dann da war und ich Yoshi-Plüschi auf dem Gabentisch gesehen habe, muss ich einen Freudenanfall bekommen haben - und habe Yoshi dann erstmal durchgeknuddelt, bevor natürlich das Super Nintendo aufgebaut wurde.

Das Super Nintendo an sich blieb zwar unveränderlich eine 16-Bit-Konsole, im Lauf der Jahre - der Lebenszyklus des Super Nintendo erstreckte sich bis ins Jahr 1998 - wurde die Technik aber trotzdem immer weiter verfeinert. Ein Beispiel dafür ist der Super FX Chip, der in einigen Modulen eingebaut wurde, um die Power der Konsole zu erhöhen. Namhafte Spiele, die ihn nutzen, sind z.B. "Yoshi's Island", "Starwing" und "Stunt Race FX".

"Donkey Kong Country" nutzte den Super FX Chip zwar nicht, ist aber trotzdem nennenswert im Hinblick auf seine Technik. Die britische Firma Rare hatte ein Verfahren entwickelt, das es ermöglichte, gerenderte Grafiken nahezu verlustfrei in 16-Bit-Sprites zu konvertieren. Nachdem sie die Technik bei Nintendo vorgeführt hatten, bekamen sie grünes Licht für die Entwicklung eines Donkey Kong-Spiels. Das Ergebnis "Donkey Kong Country" erschien Ende 1994 und machte grafisch tatsächlich mehr her, als die ersten Spiele auf den 32-Bit-Konsolen, die etwa zeitgleich erschienen. In den Folgejahren brachte Rare außerdem noch zwei Nachfolger heraus.

Nicht zu vergessen ist, dass das Super Nintendo sogar bereits eine eingeschränkte Online-Funktionalität erhielt, wenngleich nur in Japan und auch ganz anders, als man das heute kennt. Als Japan-exklusives Zubehör erschien das Satellaview, das es der Konsole ermöglichte, Verbindung zu einem speziellen Satellitenkanal aufzunehmen. Dort wurden verschiedene Spiele ausgestrahlt, zu festen Zeiten, quasi wie Fernsehsendungen. Klinkte man sich zur richtigen Zeit ein, konnte man die Daten empfangen und mitspielen.

Was es im Gegensatz zum Satellaview sehr wohl nach Europa schaffte, ist der Super Game Boy. Dieser Adapter war für damalige Verhältnisse eine kleine Sensation, da er euch die bis dahin ungeahnte Möglichkeit gab, Game Boy-Spiele auf dem Fernsehbildschirm zu zocken. Die noch schwarz-weißen Handheld-Spiele ließen sich zudem einfärben und auch mit einem selbst gestalteten Rahmen versehen - eine nette Spielerei! Übrigens erschien später, zu Zeiten des Gamecube, als Nachfolger der Game Boy Player, der Game Boy Advance-Module unterstützte.

Ein eher unrühmliches Kapitel ist die Geschichte mit der Playstation. Heute in vierter Inkarnation einer der ärgsten Rivalen der Nintendo-Konsolen, war die allererste Playstation damals als CD-Laufwerk für das Super Nintendo geplant. Ein erster Chip war von Sony bereits entwickelt worden, aber dann wurden sich Nintendo und Sony nicht über die genauen Details im Vertrag einig. Daher ließ Nintendo Sony abblitzen und wandte sich für die Entwicklung des CD-Laufwerks an Philipps. Sony drohte mit Klagen, so dass Nintendo auch den Vertrag mit Philipps wieder auflöste und ihnen als Entschädigung die Rechte an Mario und Zelda hinterließ - das war die Geburtsstunde der Philips CDi-Katastrophen wie "Hotel Mario", "Zelda: The Wand of Gamelon" und "Link: The Faces of Evil". Sony hingegen entwickelte die bereits fertigen Teile der Playstation weiter und machte daraus eine eigene Konsolen, die schließlich Ende 1994 auf den Markt kam. Ein CD-Laufwerk für das Super Nintendo, wie ursprünglich geplant, erschien dagegen gar nicht mehr.

Das Super Nintendo zählt noch heute mit zu den beliebtesten Nintendo-Konsolen. Erwachsene Nintendo-Fans wie ich verdanken Spielen wie "Super Mario World", "Super Mario Kart" und "Yoshi's Island" glückliche Tage ihrer Kindheit. Natürlich, auf dem NES sind auch bahnbrechende Spiele erschienen, diese sind aber im Vergleich zu ihren Super Nintendo-Pendants nicht ganz so gut gealtert - am deutlichsten wird das, wenn man "The Legend of Zelda" auf dem NES direkt neben "Zelda: A Link to the Past" auf dem Super Nintendo betrachtet. Ein Unterschied wie Tag und Nacht! Das Nintendo 64 dagegen ist schon fast ein bisschen zu neu, um noch Retro-Gefühle auslösen zu können. Von daher ist es verständlich, dass die Fanbase derzeit heiß auf der Super Nintendo Classic Mini ist. Wer allerdings noch keins vorbestellt hat, dem kann man nur die Daumen drücken, denn online ist die Konsole bereits kaum noch zu kriegen. Besteht nur die Chance, am Release-Tag im Laden eine abzukriegen oder, wenn doch eine Seite noch mal kurz die Vorbestellungen öffnet, zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Habt ihr euch dann aber eine Konsole gesichert, dann steht nichts mehr im Wege, Kindheitsgefühle neu aufleben zu lassen oder - falls ihr die echten Super Nintendo-Zeiten nicht mit erlebt habt - sie einfach nachzuholen.


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