Ein Drache in New York
"Nanu, was ist denn das für ein grelles Licht?" wunderte sich Prinzessin Aquapta, die durch eben selbiges mitten in der Nacht geweckt wurde. Voller Angst weckte sie auch ihren Vater, den König von Schloß Nottingcheese. "Ich weiß nicht, was das war, Schätzchen," sagte der, "aber bestimmt nichts schlimmes. Wahrscheinlich ist nur wieder Linmer ein Experiment mißlungen! Du kennst ihn ja!" - "Schon Papi, aber es kam doch von draußen aus dem Wald! Kannst du wenigstens Bruno, Hans und Gustav mal hinschicken?" - "Das muß nicht sein," erklärte der König, "sie sind schon da draußen und kämpfen gegen einen Drachen!"
Die Ursache des Lichtes war ganz einfach zu erklären: Ein verrückter Professor aus dem Jahr 2000 war mit einer Zeitmaschine angereist. Er trat aus seinem Gefährt und auf die drei Ritter zu. "Wer seid denn Ihr?" fragte Gustav erstaunt. "Ich?" antwortete der Professor, "oh, ich bin Professor Twostone aus New York. Aus dem New York des 21. Jahrhunderts." - "Ei-einundzwanzigstes Jahrhundert?" fragte Hans verwirrt. "Sicher! Mit dieser Maschine da!" Twostone erschrak. Die Zeitmaschine war weg! "Wo ist eigentlich unser Drache hin?" fragte Bruno. Jetzt war den vier alles klar: Der Drache war versehentlich mit der Zeitmaschine ins Jahr 2000 gereist! "Schnell," rief Hans, "Zauberer Linmer muß uns helfen! Auch, wenn die Leute erst in 1000 Jahren leben, müssen wir ihnen doch helfen!" Sofort eilten Bruno, Hans, Gustav und Twostone zu Linmer.
"Richtig helfen kann ich euch leider nicht," erklärte Linmer, "ich kann euch lediglich ebenfalls 1000 Jahre in die Zukunft zaubern, wo ihr dann mit Zeitmaschine und hoffentlich auch mit Drache zurück in diese Zeit reisen könnt!" Gesagt, getan!
Inzwischen hatte der Drache in New York höchste Unruhe verursacht. Manche Leute hatten richtige Angst vor ihm, manche hielten ihn für einen verfrühten April-Scherz und manche bemerkten ihn gar nicht. Nur wunderte sich jeder über die dauernden Brände in der amerikanischen Metropole. Was wiederum keinem auffiel war die Zeitmaschine, die plötzlich auf einem Parkplatz stand. "Hier wimmelt es ja nur so von Drachen!" rief Bruno. "Wo denn?" fragte Twostone verwirrt, "wo sollen hier massenhaft Drachen sein?" - "Na, diese Blechungeheuer dort! Und durch die durchsichtige Haut kann man sogar sehen, daß jeder von ihnen mindestens einen Menschen gefressen hat! Den Leuten muß doch geholfen werden!" Twostone verstand, was los war. Woher sollte ein Ritter aus dem 11. Jahrhundert auch Autos kennen? Manche kannten ja nicht einmal Windmühlen! - Na, egal. Jedenfalls kam plötzlich der richtige Drache um die Ecke und verspeiste den riesigen Metall-Hamburger, der das Dach eines McDonald´s schmückte. "Da ist das Biest," stellte Twostone fest, "aber wie sollen wir ihn in die Zeitmaschine bringen?" - "Laßt mich nur machen!" rief Gustav und rannte erstmal in das McDonald´s: "Rund 100 Hamburgs oder wie die Dinger heißen! Und zwar schnell!" Zwar wunderten sich die Verkäufer über die seltsame Sprache und die seltsame Kleidung, aber trotzdem gaben sie die Hamburger aus: "Das macht dann mit Mengen-Rabatt 437,89 US-Dollar!" - "So müßte es etwa stimmen!" rief Gustav, warf 440 mittelalterliche Goldtaler auf den Tisch und verließ mit den Hamburgern das Gebäude. Jetzt sollte Hans übernehmen, weil der ja am schnellsten rennen kann. Er warf dem Drachen einen der Hamburger ins Maul. Wie zu erwarten war mundete dieser dem Biest. So wollte der Drache also noch mehr Hamburger. Hans rannte zu der Zeitmaschine und warf unterwegs immer mal einen Hamburger hinter sich. Ganz am Ende warf er die restlichen Hamburger in die Maschine, damit der Drache auch einstieg. Jetzt war ja alles wieder in bester Ordnung. Man hätte abreisen können, wenn - ja, wenn man gewußt hätte, wo Bruno war.
Twostone, Hans und Gustav hätten es nie erfahren, wenn sie nicht eine Polizei-Durchsage gehört hätten: "Achtung, Achtung! Verrückter verursacht Verkehrschaos auf Hauptstraße! Schlägt Autos mit Schwert! Ist mittelalterlich gekleidet! Brauche dringend Verstärkung!" Hans hechtete zur Hauptstrauße, schnappte sich Bruno und zerrte ihn in die Zeitmaschine. Und dann fuhren die drei Ritter, Professor Twostone und auch der Drache wieder zu Schloß Nottingcheese des Jahres 1000.
Nun mußte sich Professor Twostone wieder verabschieden. "Übrigens," sagte er zu Bruno, "ich hörte, du suchst einen Namen für dein Pferd! Wie wär´s denn mit Rosinante?" Mit diesen Worten reiste Twostone zurück ins Jahr 2000. Bruno, Hans und Gustav erledigten noch schnell den Drachen und ritten dann in der Abenddämmerung zurück zum Schloß.