Die Jagd auf die Diamanten
WUUUUUM!!!!! - Durch diesen Knall wurde das gesamte Schloß Nottingcheese eines Nachts aus dem Schlafe gerissen. Die Ursache war schnell geklärt: Zauberer Linmer war mal wieder ein Experiment mißlungen - diesmal hatte der Westturm dran glauben müssen. Menschen war nichts passiert, allerdings erzählte Linmer dem König trotzdem etwas schreckliches: "Majestät, bei der Explosion sind meine drei magischen Kristalle fortgeschleudert worden! Aus ihnen beziehe ich meine Zauberkraft!" - "Heißt das, daß Ihr nicht mehr zaubern könnt, Linmer?" - "Nicht nur das! Jeder andere, der auch nur einen dieser Kristalle in die Hände bekommt, kann gleich alles zaubern, was er will. Stellt Euch nur vor, wenn Darknight so ein Ding in die Hände kriegt...!" - "Nun Linmer," meinte der König, "Ihr müßtet ja eigentlich nur einen Diamanten finden - die anderen könntet Ihr dann ohne weiteres her hexen!" - "Eben nicht, Majestät! Diese Diamanten sind somit die einzigen Gegenstände auf der Welt, die völlig immun gegen jede Art von Zauber sind - ich müßte alle finden! Mit meiner Kristall-Kugel ist es zwar kein Problem, die Diamanten aufzuspüren, aber sie zu erreichen... ich bitte also um die Erlaubnis, mir einige Ritter ausborgen zu dürfen und mich zusammen mit ihnen auf die Reise zu machen." Die Erlaubnis wurde erteilt. Linmer wählte sich natürlich Bruno, Hans und Gustav aus und dann ging es los.
Hätten die armen Nottingcheeser nur geahnt, daß ein Spion Darknights im Schloß war! Er hörte mit und unterrichte Darknight über alles. So machte sich Darknight nun also auch auf den Weg.
Auf Rosinante kamen Linmer und die drei Ritter schneller voran. Bald waren sie im Achtgebirge, wo der erste Diamant gelandet sein mußte. Und tatsächlich: Schon von weitem konnte man den Diamanten in einer Höhle blinken sehen. Doch dummerweise lebte ausgerechnet in dieser Höhle der gefürchtete Riese Möhrezahl. An ihm kamen Bruno, Hans und Gustav einfach nicht vorbei. (Keine Panik, werte Leser, die drei Ritter sind nicht schwächer geworden - aber es gibt eben einfach ein paar superstarke Ungeheuer.)
Sir Darknight schlich sich von hinten an. Er machte nicht lange rum sondern hielt sofort Linmer ein Schwert an die Kehle und schrie: "Wo ist der Diamant?!" - "Oh," erklärte Gustav, "der ist dort hinten in der Höhle! Wir wollten gerade hin gehen, aber Ihr könnt ihn natürlich auch gerne haben!" Das ließ sich Darknight aber nicht zweimal sagen! Er hechtete hin. Kurz darauf hörte man aus der Höhle einen Schrei und einen mächtigen Stampfer, dann war es erstmal still. Schließlich rannte Darknight aus der Höhle, an Linmer, Bruno, Hans und Gustav vorbei und raus aus dem Gebirge. Und dicht hinter ihm rannte Möhrezahl. "Lobenswert, daß Darknight abgenommen hat," spottete Bruno, "aber der Fußabdruck auf dem Rücken steht ihm nicht gut!" - "Ob wir ihm nicht doch helfen sollten?" überlegte Hans. "Nein," sagte Gustav, "der kann selber kämpfen und rennen. Wir holen uns jetzt lieber den kurzzeitig unbewachten Diamanten!"
Es blubberte und brodelte. Dämpfe stiegen auf. Es sprangen Frösche und es flogen Fledermäuse umher. "Tja," erklärte Linmer, "so ist das halt im Sumpf der Dämonen. Und ausgerechnet hier muß einer der Diamanten landen!" Linmer wußte, daß der Diamant irgendwo in diesem Sumpf steckte, aber wo? Der Sumpf war groß. Und zu allem Überfluß hatten die vier ja auch noch Darknight auf den Fersen. - Oha, wenn man vom Teufel schreibt... da kam Darknight schon anmarschiert. "Habt ihr dieses dämlichen Diamanten denn immernoch nicht?!" brüllte er und fuchtelte mit seinem Schwert. Bruno, Hans und Gustav konnten gar nicht so schnell reagieren wie Linmer von Darknight runter gedrückt wurde. Linmer versank also, aber wieder einmal hatte er Glück im Unglück: Er landete nicht im Bodenlosen, sondern in einer Höhle, in der sich der zweite Diamant befand. Mit den zwei Diamanten hatte er nun wieder genug Zauberkraft, um sich wieder nach oben zu zaubern. Dort bedankte er sich bei Darknight und ging mit Bruno, Hans und Gustav fort. "Grrr!" fluchte Darknight, "dauernd haben diese vier Witzfiguren nur durch meine Schuld die Diamanten gekriegt! Aber eine Chance habe ich noch, und dann... hähähä!"
"Das sieht schlecht aus..." murmelte Linmer, "der dritte Diamant, der... ist anscheinend genau im Brunnen von Darknights Burg gelandet! Am einfachsten wird es wohl sein, wenn wir irgendwie durch das Grundwasser in den Brunnen gelangen!"
Nach ein paar Spatenstichen hielten sich die vier tatsächlich in Darknights Brunnen auf. Der Diamant war eigentlich auch schnell gefunden. Doch irgendwie muß es einen Erdrutsch gegeben haben - jedenfalls war plötzlich der Rückweg versperrt. "Wir müssen es wagen," bestimmte Bruno, "wir müssen durch Darknights Burghof! Beten wir nur, daß Darknight selbst nicht zu Hause ist!" Am Brunnenseil kletterten Linmer, Bruno, Hans und Gustav also nach oben. (Warum Linmer sie nicht einfach raus zaubert? Ganz einfach: Vergessen Sie nicht manchmal auch eine Eigenschaft, wenn Sie furchtbar aufgeregt sind?) Jedenfalls kamen die vier heil oben an. Darknight war nicht da. Aber man hätte ja eigentlich vermuten können, daß das Tor abgeschlossen ist. Man mußte also auf die Mauer und auf der anderen Seite runter springen. Bruno lief voran und entfernte die Wachen, die oben standen. Und dann sprangen die vier schließlich runter in Darknights Burggraben.
Allerdings hatten Linmer und die drei Ritter Pech im Unglück: Am Ufer stand Darknight, der gerade nach Hause gekommen war. Die vier Helden verspürten einen kleinen Schlag auf den Kopf, dann spürten sie vorerst nichts mehr.
Nach einigen Stunden wachten Linmer, Bruno, Hans und Gustav in Darknights Verließ wieder auf - die Diamanten hatten sie allerdings nicht mehr. Schnell brachen die vier mal eben schnell aus, sprangen auf Rosinante und düsten zu Schloß Nottingcheese. Aber so schwarz und unheimlich hatten sie Nottingcheese doch nicht in Erinnerung.
Als die vier den Schloßhof betraten, sahen sie den König. Er hatte keine Krone mehr auf dem Kopf und schrubbte den Boden. "Majestät," fragte Linmer entsetzt, "was macht Ihr da?" - "Ich?" antwortete der König, "ich bin Diener King-Nott-Tschiehs! Ich schrubbe den Boden von Schloß Darknight II! Für Master Darknight!" - "Und was ist das da für ein Kanarienvogel?" - "Er heißt Aquapti und war angeblich mal eine Prinzessin!" Nun war Linmer und den anderen alles klar: Darknight hatte wirklich mit Hilfe der Diamanten Nottingcheese in seine Gewalt gebracht. Und da kam Darknight auch schon. "Nanu?" staunte er, "wer hat euch denn frei gelassen? Na, egal! Ihr könnt eh keinen Schaden mehr anrichten! Ich muß jetzt mal schnell über´s Meer - Amerika erobern!" - "Woher wißt Ihr denn..." staunte Linmer, "Amerika wird doch erst in 492 Jahren von Kolum..." - "Schon," unterbrach Darknight, "aber man darf ja wohl mal ein bißchen in die Zukunft sehen, oder?" Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg.
"Ich weiß nicht, was Amerika ist," rief Bruno, "aber wir müssen Darki davon abhalten, es zu erobern!" Er, Hans und Gustav rannten also hinter Darknight her. "Das KANN einfach kein gutes Ende mehr nehmen..." stöhnte Linmer.
Darknight und einige andere Ritter, teilweise sogar ursprünglich von Nottingcheese, bestiegen ein großen Schiff und segelten hinaus auf das große, weite Meer. Bruno, Hans und Gustav dagegen bestiegen nur ein Floß und segelten auch hinaus auf das große, weite Meer. Doch da sie geschickt floßfahren konnten, hatten sie das Segelschiff bald eingeholt und kletterten an Bord. Dort versuchte Hans, Darknight die Diamanten abzunehmen. Doch ausgerechnet Prinz Edelweiß, sonst Freund von den dreien, bemerkte dies und warnte Darknight, der sofort voller Wut fluchte: "Ich hasse euch, ihr verdammten Nottinger!! Abrakadabra, möge ein riesiger Meteorit auf Schloß Nottingcheese fallen!!"
Etwas großes verdunkelte den Himmel. Es war eben dieser Meteorit, der bestimmt einen Kilometer groß war. "Auweia..." schluckte Darknight, "was man sich so alles zusammen flucht..." - "Du könntest eben den Weltuntergang herauf beschworen haben!" schimpfte Hans, "ist dir das überhaupt bewußt?" Darknight nickte. Kleinlaut piepste er: "Das weiß ich. Ich würde es gerne rückgängig machen... aber ich kann nicht. Ich habe die Diamanten, aber, nun ja, ich weiß den Spruch nicht..." - "Dann kann uns nur einer helfen," rief Bruno, "nämlich Linmer! Hoffentlich ist es noch nicht zu spät! Volle Kraft zurück, Männer!"
Als das Schiff gerade anlegte gab es einen gewaltigen Knall. Der Meteorit war eingeschlagen. Eines riesige Staubwolke bedeckte alles und man konnte nichts mehr sehen. Völlig blind irrten die drei Ritter und Darknight zurück zu Schloß Nottingcheese. Immer, wenn sie glaubten, jemandem zu begegnet, fragten sie: "Seid Ihr es, Linmer?" Endlich hatten sie Glück: Sie hatten Linmer gefunden. Sie gaben ihm die Diamanten und er sagte: "Hokus-[hust-]pokus! Alles hier auf Nottingcheese / soll so sein, wie´s immer iiehs!"
Kaum eine Sekunde später standen Linmer, die drei Ritter, der König, Prinzessin Aquapta und Sir Darknight im Hof von Schloß Nottingcheese. Die Sonne schien, es war ein schöner Frühlingsmorgen. "Nun dann," sagte Darknight, "ich gehe dann mal, bevor noch mehr Unheil passiert." Knurrend fügte er hinzu: "Aber wir haben uns nicht das letzte Mal als Feinde gesehen!!" Dann ging er. Und der König sagte: "Was haltet ihr davon, wenn wir einen neuen Feiertag erfinden? Einen Diamanten-Tag?"
Vor der Idee waren alle begeistert. Und noch am selben Abend war der erste Diamanten-Tag.