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Top 5 Kinderfilme 2021/2022

geschrieben von Stephan am 2022-05-18 20:23:23

Im Sommer 2021 habe ich eine Top 100 der besten Kinderfilme veröffentlicht. Auch heute noch stehe ich hinter der Auswahl und Reihenfolge, jedoch: Es kommen ja ständig neue Kinderfilme hinzu! Ich möchte dann allerdings nicht jedes Mal die alte Top 100 updaten, das würde zu großes Kuddelmuddel ergeben. Stattdessen habe ich nun eine Top 5 der besten Kinderfilme 2021/2022 zusammengestellt. Darin sind die besten Kinderfilme verzeichnet, die ich in den vergangenen 12 Monaten gesehen habe. Dabei muss es sich nicht unbedingt tatsächlich um neue Releases handeln - es reicht auch aus, wenn ich einen älteren Film einfach erst jetzt entdeckt habe! Und wer weiß, möglicherweise gibt es eine solche Top 5 in Zukunft jedes Jahr?

Screenshot aus Digimon Adventure: Last Evolution Kizuna
Abschied von den Digimon? Tai und Matt besprechen mit Agumon und Gabumon die Lage. • © Toei Animation, Bandai Namco Entertainment

Platz 5: Digimon Adventure: Last Evolution Kizuna

Rückblick auf das Jahr 2000: Damals lief die gute alte Digimon-Serie mit Tai, Matt, T.K. und den anderen zum ersten Mal in Deutschland bei RTL II, und ich als junger Anime-Fan habe damals keine Folge verpasst. Die Welt drehte sich weiter und es kamen immer neue Digimon-Serien nach: Digimon Tamers, Digimon Frontier, Digimon Data Squad usw. - und sie alle hatten zwei Dinge gemeinsam: Sie haben Story-technisch nur noch wenig bis gar nichts mit der ersten Serie zu tun, und ein Fan der ersten Serie kann mit ihnen immer weniger anfangen, je neuer sie werden!

Digimon Adventure: Last Evolution Kizuna ist nun eine Art Abschluss der guten alten ersten Serie, und das im großen Kinoformat! Die Digiritter von einst sind genau wie wir Zuschauer erwachsen geworden und gehen einem geregelten Leben in der Wirklichkeit nach. Ihr Abenteuer in der Digiwelt haben sie nicht vergessen, ihre Digimon sehen sie zwar nur noch selten, freuen sich aber nach wie vor über jedes Wiedersehen. Dann ereilt sie allerdings die Hiobsmeldung: Ihre Digimon werden bald verschwinden, weil nur Kinder einen Draht zu Digimon haben können, und das sind sie nun ja nicht mehr! Die verbleibende Zeit verkürzt sich sogar noch weiter, je aktiver sie sich mit ihren Digimon beschäftigen - na toll, und das erfahren sie ausgerechnet jetzt, wo ein neues bösartiges Digimon auftaucht und in seine Schranken verwiesen werden will?

Digimon Adventure: Last Evolution Kizuna ist nur in zweiter Linie ein spannendes Anime-Abenteuer. In erster Linie ist es ein herzlicher Film über das Älterwerden und den Abschied von der Kindheit. Natürlich kann der Film auch von Kindern problemlos angeschaut werden, primär wendet er sich aber ganz klar an die erwachsen gewordenen Digimon-Fans von früher. In Japan kam der Film noch knapp vor der COVID-19-Pandemie im Februar 2020 ins Kino - bei uns in Deutschland lief er als eintägiges Kino-Event im Oktober 2021 und kam wenige Wochen später auf DVD und Blu-ray in den Handel.

Regie: Tomohisa Taguchi, Kojin Ochi • Japan (2020)

Screenshot aus Ich bin William
Lammfrommer Kampfhund: Um seinem Onkel zu helfen, führt William das Untier jeden Tag Gassi. • © Meta Film, SF Film

Platz 4: Ich bin William

Ich bin William lässt sich in einem legalen Youtube-Video streamen - ich hatte ihn schon länger auf meiner Watchlist, habe ihn mir aber erst vor einigen Wochen endlich mal angesehen. Warum ich so lange gewartet habe, weiß ich selbst nicht, denn der Film hat mir letztlich sehr gut gefallen.

William ist 10 Jahre alt, sein Vater ist tot, seine Mutter sitzt in der psychiatrischen Anstalt, und so lebt der Junge bei seinem Onkel Nils. Der nimmt es mit dem Gesetz nicht ganz so genau und ist Glücksspiel-süchtig. Eines Tages verzockt sich Onkel Nils ordentlich und hat nun einen Haufen Schulden bei einem stadtbekannten Gangsterboss - der fackelt auch nicht lange rum, sondern stellt klar: Entweder er bekommt bis zu einem bestimmten Zeitpunkt sein Geld oder ...

Um nun seinen Onkel, seine einzige Bezugsperson zu retten, stiefelt William auf eigene Faust zu dem Gangsterboss hin, um mit ihm über das "Missverständnis" zu sprechen - und hat damit sogar Erfolg! William ist fortan der Hundesitter für den Lieblings-Bluthund des Gauners und als "Bezahlung" dafür erhält Onkel Nils mehr Zeit, um das Geld aufzutreiben. So hat der Junge von nun an gleich zwei Baustellen: Während er konsequent tagtäglich mit einem gefährlichen Kampfhund Gassi geht (der in seiner Gegenwart amüsanterweise lammfromm ist), muss er gleichzeitig auch den Schuldenberater für seinen Onkel spielen, damit es diesem tatsächlich gelingt, das Geld aufzutreiben, sonst war alles umsonst!

Regie: Jonas Elmer • Dänemark (2017)

Screenshot aus Mein Bruder, der Superheld
Junger Superman? Jacks kleiner Bruder Gio ist "etwas ganz besonderes"! • © Paco Cine­mato­grafica, Rai Cinema

Platz 3: Mein Bruder, der Superheld

Mein Bruder, der Superheld ist ein hervorragender italienischer Kinderfilm über Behinderung, Inklusion und Bruderliebe - basierend auf dem gleichnamigen autobiographischen Buch von Giacomo Mazzariol, in Szene gesetzt von Stefano Cipani, der damit nach mehreren Kurzfilmen seinen ersten Abendfüller realisiert.

Erzählt wird die Geschichte weitestgehend aus der Sicht von Jack, der selbst noch ein Kind ist und sich schon immer einen Bruder als Spielkamerad gewünscht hat. Jetzt ist es endlich so weit! Als Gio, das kleine Brüderchen, nun da ist, erzählen die Eltern Jack, sein Bruder sei "etwas ganz besonderes". Jack malt sich daraufhin im Kopf aus, sein Bruder sei wohl ein Superheld, so ähnlich wie Superman oder Spider-Man im Comic. Erst später versteht Jack, wie die Aussage wirklich gemeint war: Gio hat das Down-Syndrom!

Die Jahre vergehen, Jack und Gio werden älter, und als Jack in die Pubertät kommt, ist von der kindlichen Begeisterung nichts mehr übrig geblieben, im Gegenteil, am liebsten erzählt Jack, er habe gar keinen Bruder. Aber kann so ein Lügenkonstrukt auf Dauer bestehen? Und wie wirkt es sich erst auf die Harmonie in der Familie aus?

Regie: Stefano Cipani • Italien (2019)

Screenshot aus Sune vs Sune
Plötzlich Namensvettern: Als Sune in die Schule kommt, sitzt da plötzlich noch ein Sune! • © Nordisk Film, Swedish Film Institute, Unlimited Stories

Platz 2: Sune vs Sune

Die Sune-Filme nach den Büchern von Sören Olsson sind in Schweden eine ganz große Nummer, in Deutschland dagegen noch nicht so recht angekommen. Meiner Recherche zufolge sind von insgesamt neun Sune-Filmen nur ganze drei Stück auch bei uns zu sehen: Der Erstling Cooler Sommer (Sunes Sommar) steht im Original mit Untertiteln auf Netflix, während es Familienchaos: All Inclusive (Sune i Grekland) und Sune vs Sune auf DVD zu kaufen gibt. Ob es nun ein Verlust ist, dass uns die übrigen sechs Filme vorenthalten werden, lässt sich schwer abschätzen, denn es ist so: Die beiden erstgenannten Filme sind einfach nur Klamauk, über den ich höchstens müde schmunzeln kann und nicht wirklich mehr davon brauche - Sune vs Sune dagegen ist ein kleines Meisterwerk, Filme dieser Machart will ich noch mehr sehen!

Der Grundschüler Sune lebt zusammen mit seinem kleinen Bruder Håkan, seiner großen Schwester Anna und seinen Eltern in der fiktiven Kleinstadt Glimmerdagg - die Bücher und Filme erzählen von seinem Alltagsleben und seinen Problemen. In Sune vs Sune ist es nun so, dass ein zweiter Sune in Sunes Klasse kommt und bei den Mitschülern auch prompt beliebter wird als das "Original". So wird der erste Sune schließlich von einem Lehrer sogar zu "Sune 2" degradiert. Sune 2 versucht daher, mit allen möglichen unfairen Mitteln, den neuen Sune wieder fort zu ekeln. Auf die Gefühle des neuen Sune und der anderen Klassenkameraden achtet er dabei nicht ansatzweise. Wird Sune 2 seine Fehler erkennen und noch rechtzeitig die Kurve kriegen?

Sune vs Sune punktet nicht nur mit der spannenden und tiefgründigen Geschichte um die Rivalität der beides Sunes, sondern auch mit diversen witzigen Nebenhandlungen: Sunes Mutter, die ein wenig zu sehr angegeben hat und nun versucht, ihr Lügenkonstrukt zu überspielen. Sunes Vater, der voreilig seinen Job gekündigt hat, um ein Rockstar zu werden. Oder der kleine Håkan, der auf alle möglichen Methoden versucht, seine Eltern dazu zu bringen, mit ihm zu spielen - es ist einfach herrlich! Ganz ehrlich: Es kommt sehr, sehr selten vor, dass mich ein Film ob der tiefgängigen Story an den Bildschirm fesselt und gleichzeitig auch durchgängig meine Lachmuskeln beansprucht - meist ist nur eins von beidem der Fall. Sune vs Sune war ein Volltreffer und hätte beinahe auf Platz 1 dieser Liste landen können, wäre da nicht vor wenigen Wochen noch ein weiterer Film aufgetaucht ...

Regie: Jon Holmberg • Schweden (2018)

Screenshot aus Der Sohn von Rambow
Rambo im Kleinformat: Will möchte den Actionfilm zusammen mit seinem neuen Freund Lee nachdrehen. • © Hammer & Tongs, Celluloid Dreams, Arte France Cinéma

Platz 1: Der Sohn von Rambow

Ich bin mir nicht sicher, ob Der Sohn von Rambow wirklich ein Film für Kinder oder nur ein Film mit Kindern ist, aber sei's drum, der Film ist ab 6 Jahren freigegeben und mir hat er sehr gut gefallen, also passt das schon!

Der Sohn von Rambow stammt aus England und ist der zweite Film von Garth Jennings nach dem Kult-Klassiker Per Anhalter durch die Galaxis (und als drittes Werk folgte später noch der Animationsfilm Sing). Der 11-jährige Will wächst in einer streng gläubigen Familie auf, er muss regelmäßig den Gottesdienst besuchen und Fernsehen ist für ihn grundsätzlich verboten. In der Schule lernt Will den Rowdy Lee kennen. Es geschehen ein paar Missgeschicke, was dazu führt, dass Will vorübergehend mit zu Lee nach Hause kommt. Dort sieht er zufällig den Actionfilm Rambo und ist hin und weg.

Da dieser Tage ein Jugendfilmwettbewerb stattfindet, beschließen Will und Lee, dass sie ihre eigene Version von Rambo drehen und damit an dem Wettbewerb teilnehmen: Will denkt sich die Story aus, Lee kümmert sich um die Technik. Anfangs klappt das nicht ganz reibungslos, doch mit der Zeit raufen die beiden Jungs sich zusammen und freunden sich sogar an. Wills Familie ist mit dessen neuem Hobby nun allerdings so gar nicht einverstanden, und als dann auch noch ein paar französische Austauschschüler auftauchen und Will diese kurzerhand einlädt, bei dem Film mitzumachen, wird die Freundschaft von Will und Lee auf eine sehr harte Probe gestellt.

Der Sohn von Rambow ist ein wunderschöner Film über die Annäherung von zwei grundverschiedenen Jungs vor dem Hintergrund des Filmemachens. Selbst Sylvester Stallone, der Darsteller des originalen Rambo, lobte den Film - dem kann ich mich nur anschließen!

Regie: Garth Jennings • Großbritannien (2007)

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Erstellt am 11.01.2021 • Letzte Änderung: 12.01.2021 • ImpressumDatenschutzCookie-EinstellungenNach oben