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Kleine Spukgestalten

Zu Halloween 2019 präsentierten wir auf Kibo.FM ein Special über die kleinen Spukgestalten. Denn es gibt zahlreiche Kinderbücher, die eine bekannte Spukgestalt in verkindlichter Form darstellen, sei es Der kleine Vampir, Das kleine Gespenst oder auch Die kleine Hexe - letztgenanntes Buch sollte den Anfang machen!

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Die kleine Hexe

Die kleine Hexe stammt aus der Feder des deutschen Autors Otfried Preußler, der vor allem für den Räuber Hotzenplotz bekannt ist. Preußler wurde 1923 in Reichenberg geboren, das damals in der Provinz Deutschböhmen lag und heute zu Tschechien gehört. 2013 verstarb Preußler, woraufhin seine Tochter Susanne posthum einige bisher unveröffentlichte Kurzgeschichten ihres Vaters drucken ließ, in denen großteils auch die bekannten "kleinen" Stars auftreten. So erschien 2017 noch Die kleine Hexe - Ausflug mit Abraxas.

Das ursprüngliche Buch Die kleine Hexe erschien bereits 1957 und handelt von der titelgebenden kleinen Hexe - klar, von wem auch sonst? Die kleine Hexe ist mit nur 127 Jahren tatsächlich noch viel zu jung, um am Hexentanz auf dem Blocksberg teilzunehmen. Als sie sich trotzdem unter die großen Hexen mischt, wird sie prompt erwischt, und die alten Hexenweiber sind nicht gerade begeistert. Sie geben der kleinen Hexe aber eine Chance: Wenn sie innerhalb eines Jahres zu einer "guten Hexe" wird, dann darf sie im nächsten Jahr am Hexentanz teilnehmen - andernfalls wird sie für immer aus der Hexengemeinschaft ausgeschlossen!

Die kleine Hexe legt sich in den folgenden zwölf Monaten richtig ins Zeug und vollbringt eine gute Tat nach der anderen. Sie hilft Menschen und Tieren, sorgt mit Hilfe von Magie für Gerechtigkeit und macht sich viele Freunde. Doch das böse Erwachen folgt, als das Jahr vorüber ist, denn da machen die anderen Hexen der Kleinen schonungslos klar, dass sie etwas ganz gewaltig falsch verstanden hat.

Screenshot aus Die kleine Hexe (1986) Screenshot aus Yoshi's Island
Auf zu neuen Heldentaten: Die kleine Hexe und ihr Rabe Abraxas fliegen mit dem Besen. Kampf gegen Abraxas? Der Raben-Endboss aus Yoshi's Island ist nur in der deutschen Fassung eine klare Referenz.

Die kleine Hexe wurde bereits mehrfach verfilmt, so gab es 1971 ein Marionettenspiel von der Augsburger Puppenkiste und 1975 sogar ein japanisches Theaterstück. 1986 kam ein tschechischer Zeichentrickfilm heraus, den auch ich damals genossen habe, und im gleichen Jahr produzierte die Sowjetunion den Realfilm Kleine Baba Jaga. In der Hauptrolle: Eine kindlichere Form der Baba Jaga, die in zahlreichen slawischen Märchen auftritt (siehe unser Hexen-Special von Halloween 2017). Und schließlich kam 2018 eine neue deutsch-schweizerische Realfilm-Produktion ins Kino.

Eine kleine Anspielung auf Die kleine Hexe schaffte es sogar bis in Nintendo-Spiele: Ein Endgegner in Yoshi's Island - der Rabe, der um einen winzigen Planeten wetzt und dem ihr von der gegenüberliegenden Seite aus Pfähle unter die Krallen hauen müsst - trägt den Namen Abroxas. Wenn das mal keine Referenz an Abraxas, den treuen Raben der kleinen Hexe ist, dann weiß ich auch nicht! Zudem trägt Abroxas diesen Namen nur im Deutschen. Auf Englisch heißt er Raphael the Raven und im japanischen Original nennt er sich Kyu-chan, wobei "Kyu" laut Google Übersetzer so viel wie "Stichwort" heißt. Was immer das auch mit einem Raben zu tun hat!


Das kleine Gespenst

Genau wie Die kleine Hexe stammt auch Das kleine Gespenst von Otfried Preußler. Das Buch erschien erstmals 1966 und erzählt von einem liebenswerten kleinen Geist, der auf Burg Eulenstein, äh, "lebt". Jede Nacht pünktlich zur Geisterstunde erwacht das kleine Gespenst, und eine Stunde später, um 1 Uhr nachts, fällt es unweigerlich wieder in einen tiefen Schlummer. Das Problem ist nun, dass um Mitternacht die meisten Menschen schlafen, so dass das kleine Gespenst niemanden hat, den es erschrecken kann. Deshalb wünscht es sich immer mehr, ein Taggespenst anstatt eines Nachtgespenstes zu sein.

Eines Tages geht dieser Wunsch unverhofft in Erfüllung. Die Turmuhr wird nämlich für eine Reparatur angehalten und zwölf Stunden später wieder in Gang gesetzt. Für das menschliche Auge mag es ja egal sein, welches 12 Uhr die Zeiger einer Analoguhr anzeigen, doch das kleine Gespenst erwacht seither jeden Mittag um "High Noon" und schläft dann eine Stunde später, um 13 Uhr, wieder ein.

Zunächst freut sich das kleine Gespenst über sein neues "Leben" als Taggespenst, doch dann passiert es: Das helle Sonnenlicht färbt das weiße Gewand des kleinen Gespenstes schwarz, und in seiner neuen Gestalt wird es von den Menschen nicht mehr als Gespenst wahrgenommen. Alle sprechen nur vom "Schwarzen Unbekannten" und sind stinksauer, aber schön erschrecken tut sich keiner. Nur in drei Kindern, denen selbst einige Spukereien des kleinen Gespenstes als dumme Streiche in die Schuhe geschoben werden, findet der arme Geist Freunde. Doch kann das Gespenst mit Hilfe der Kinder auch die Uhr wieder richtig stellen, damit es wieder ein Nachtgespenst wird?

Screenshot aus Das kleine Gespenst
Ungewohnt hell hier: Das kleine Gespenst staunt nicht schlecht, als es plötzlich um 12 Uhr mittags erwacht.

Wie Die kleine Hexe nahm auch Das kleine Gespenst außerhalb seines Buches Gestalt an. Otfried Preußler selbst schrieb eine Bühnenfassung, die 1989 in Rosenheim uraufgeführt und 1994 auch von der Augsburger Puppenkiste adaptiert wurde. 1987 entstand der sowjetische Realfilm Geist von Eulenberg, der das Buch eher frei interpretiert, und 1992 ein deutscher Zeichentrickfilm. Als deutsch-schweizerische Co-Produktion kam schließlich 2013 der Realfilm Das kleine Gespenst ins Kino. Drehort für Burg Eulenstein war dabei Schloss Wernigerode in Sachsen-Anhalt, und im Rahmen der Dreharbeiten ließ die Produktionsfirma auch die Turmuhr reparieren, die seit gut zehn Jahren tatsächlich defekt war. Otfried Preußler selbst erlebte die Filmpremiere am 14. Oktober 2013 leider nicht mehr, ein knappes Dreivierteljahr vorher war er verstorben.

Auch zu Das kleine Gespenst erschien posthum noch eine Kurzgeschichte, die von Preußlers Tochter ausgegraben wurde: Das kleine Gespenst - Tohuwabohu auf Burg Eulenstein.

Neben Die kleine Hexe und Das kleine Gespenst veröffentlichte Otfried Preußler außerdem 1956 Der kleine Wassermann, aber dieses Buch beachten wir in diesem Special nicht, da Wassermänner keine Spukgestalten sind, vor allem nicht so, wie sie hier dargestellt werden. Davon abgesehen fand auch ich damals Der kleine Wassermann deutlich schwächer als Die kleine Hexe oder Das kleine Gespenst und habe daher die meisten Erinnerungen an das Buch erfolgreich verdrängt. Dafür erinnere ich mich noch sehr gut an die drei Bände vom Räuber Hotzenplotz, in denen bekannte Kasperlfiguren die Hauptrolle spielen, das hat mir damals sehr gut gefallen. Ebenfalls aus Otfried Preußlers Feder stammt außerdem der Jugendroman Krabat über einen Müllermeister, der insgeheim eine Schule für schwarze Magie betreibt.


Der kleine Vampir

Der kleine Vampir stammt - Überraschung - nicht von Otfried Preußler, sondern von Angela Sommer-Bodenburg, und es ist auch kein eigenständiges Buch, sondern eine 21-teilige Buchreihe. Der erste Band mit dem schlichten Titel Der kleine Vampir erschien 1979, der bislang letzte Band Der kleine Vampir und die Frage aller Fragen kam 2015 heraus.

Sommer-Bodenburg ist Jahrgang 1948 und arbeitete in den 70er Jahren als Grundschullehrerin in Hamburg. Die Geschichten vom kleinen Vampir schrieb sie für ihre Klasse - die Inspiration lieferten die Kinder selbst, indem sie sich Geschichten wünschten, die "lustig, spannend und auch ein bisschen gruselig" sein sollten.

Menschliche Hauptfigur in Der kleine Vampir ist der 9-jährige Anton Bohnsack, der ein großer Freund von Vampir-Geschichten ist, ganz zum Missfallen seiner Eltern. Eines Nachts segelt ein echter Vampir zu Antons Fenster herein, doch der Vampir ist selbst noch ein Kind: Rüdiger von Schlotterstein, zehn Jahre alt und wohnhaft in der Familiengruft der Schlottersteins auf dem städtischen Friedhof.

Screenshot aus Der kleine Vampir Screenshot aus Der kleine Vampir
Nächtlicher Besuch: Ein Vampir überfällt den 9-jährigen Anton Bohnsack, doch er ist selbst noch ein Kind. Abenteuerspiele in der Gruft: Anton Bohnsack (2.v.l.) und seine besten Freunde, die kleinen Vampire.

Anton freundet sich schnell mit Rüdiger und auch mit dessen jüngerer Schwester Anna an, doch die Freundschaft ist für beide Seiten nicht immer ganz ohne. Rüdiger und Anna müssen ständig aufpassen, dass Anton nicht ihren Eltern, zwei ausgewachsenen Vampiren, über den Weg läuft, sonst würden die ihn schonungslos aussaugen. Anton dagegen geht zunächst recht offen damit um, dass seine besten Freunde Vampire sind, doch seine Eltern glauben ihrem Sohn kein Wort und versuchen, ihm mit allen Mitteln seinen Vampir-Wahn auszutreiben. Und dann ist da auch noch der Friedhofsgärtner Geiermeier, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Vampire, die er auf seinem Friedhof vermutet, auszurotten.

Wer keine Lust hat, die 21 Bücher zu lesen, der kann zumindest die ersten 18 Bände auch als Hörspiele genießen, die von 1989 bis 2004 erschienen. Verfilmt wurden dagegen nur die ersten vier Bände: 1985 entstand eine 13-teilige kanadische Realserie, die die ersten beiden Bände Der kleine Vampir und Der kleine Vampir zieht um abdeckt. Fortgesetzt wurde die Serie ab 1993 unter dem Titel Der kleine Vampir - Neue Abenteuer: Die ebenfalls 13 Folgen sind eine deutsche Produktion und decken die Bände 3 und 4 ab, Der kleine Vampir verreist und Der kleine Vampir auf dem Bauernhof. Roter Faden der Serie ist, dass Antons Eltern einen Familienurlaub auf dem Bauernhof planen. Weil Anton aber Angst hat, dass er sich auf dem Land zu Tode langweilen wird, fädelt er ein, dass sein Vampir-Freund Rüdiger heimlich mitkommen kann. Dadurch wird die Erholung auf dem Bauernhof für alle Beteiligten zum Abenteuerurlaub!

Außerdem gibt es zwei Kinofilme, die aber beide eher lose auf der Reihe basieren: 2000 gab es einen US-amerikanischen Realfilm und pünktlich zu Halloween 2017 kam ein 3D-Animationsfilm heraus.

Foto von Schloss Bran (Rumänien)
Zu Gast bei Dracula: Das "Original-Dracula-Schloss" Bran war ein Programmpunkt meiner Rumänien-Reise im Sommer 2016.

Und nicht zuletzt war Der kleine Vampir sogar der Auslöser für meine Rumänien-Reise im Sommer 2016. Einige Monate zuvor hatte ich die Serie Der kleine Vampir - Neue Abenteuer wieder entdeckt und wenig später auf einer Fanseite zur Serie viele schöne Naturaufnahmen aus Transsilvanien gesehen. So festigte sich der Wunsch "Da muss ich auch mal hin!" und im Sommer 2016 war es so weit: Ein Freund und ich machten eine geführte Gruppen-Rundreise durch Rumänien mit, die den Schwerpunkt auf Transsilvanien legte - unter anderem bekamen wir auch das "Original-Dracula-Schloss" Bran sowie die wunderschöne Altstadt Schäßburg, den Geburtsort von Dracula-Vorlage Vlad III., zu sehen.

Apropos Dracula: Natürlich wird auch der bekannteste aller Blutsauger mehrmals in Der kleine Vampir erwähnt. Ganz besonders sticht dabei der 16. Band Der kleine Vampir und Graf Dracula hervor: Darin unternehmen Antons Eltern mit ihrem Sohn eine Reise nach Transsilvanien, um hoffentlich mit dieser Radikalkur Antons Vampir-Wahn ein Ende zu setzen. Doch auch die Schlotterstein-Kinder sind in Transsilvanien, weil sie bei Graf Dracula persönlich eine Vampir-Ausbildung absolvieren sollen

Dracula war 1897 die Hauptfigur im gleichnamigen Briefroman des irischen Autors Bram Stoker. Die Vorlage für den fiktiven Vampir war der walachische Woiwode Vlad III., der dafür bekannt war, seinen Feinden einen Pfahl durchs Herz zu rammen. Das bescherte ihm auch den Beinamen Tepes, zu deutsch: "Pfähler". Sein zweiter Beiname Draculea kommt vermutlich daher, dass sein Vater Mitglied im Drachenorden von Kaiser Sigismund war - "draculea" ist Latein und bedeutet so viel wie "Sohn des Drachen".

Verfilmt wurde der Dracula-Roman unzählige Male - mal mehr, mal weniger originalgetreu. Außerdem tritt Dracula in vielen, vielen anderen Produktionen mit Vampir-Bezug auf, neben Der kleine Vampir etwa auch in dem Videospiel Castlevania oder in dem Animationsfilm Hotel Transsilvanien.


Bildnachweis: Alle Screenshots in diesem Artikel sind selbst erstellt. Das Copyright liegt bei den Rechteinhabern der jeweiligen Filme, Serien und Spiele.
Das kleine Gespenst: © Universum Film, Die kleine Hexe: © Kráteký Film, Der kleine Vampir - Neue Abenteuer: © Polyphon Film- und Fernsehgesellschaft mbH, WDR, SWF, ORF, Yoshi's Island: © Nintendo


Erstellt am 03.10.2019 • Letzte Änderung: 28.10.2019 • ImpressumDatenschutzNach oben