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Yo-Kai Watch

Ende April 2016 kam Yo-Kai Watch endlich nach Europa. Aufgrund der Ähnlichkeit zu Pokémon und aufgrund der Tatsache, dass es von Level-5 (Professor Layton) stammt, habe ich das Spiel bereits seit beinahe zwei Jahren im Blickfeld - und tatsächlich konnte sich Yo-Kai Watch sowohl 2014 als auch 2015 in den japanischen Verkaufscharts vor Pokémon einordnen! Was wirklich hinter dem Spiel steckt, klärte ich Ende April 2016, wenige Tage vor dem Europa-Release, in einer Sondersendung auf Kibo.FM auf. Alle Infos aus der Sendung könnt ihr hier nun noch einmal nachlesen!


Review zu "Yo-Kai Watch"

Ein neuer Erfolgstitel für den Nintendo 3DS ist da: Yo-Kai Watch erschien am 29. April 2016 endlich auch bei uns in Europa, nachdem das Spiel in Japan bereits am 11. Juli 2013, also vor über 2 ½ Jahren, herauskam. In den USA ging es am 6. November 2015 los, und seit 5. Dezember 2015 konnte man sich bereits eine englischsprachige PAL-Version aus Australien kommen lassen - auf dieser basiert auch dieses Review, da ich einfach keine Lust mehr hatte, noch länger auf die deutsche Fassung zu warten. Deshalb kann ich speziell zur deutschen Lokalisierung wenig sagen, aber das Spielprinzip ist international gleich geblieben - gleich gut!

Yo-Kai Watch stammt von Level-5, die hierzulande in erster Linie durch Professor Layton bekannt geworden sind, denen wir aber auch Perlen wie Fantasy Life verdanken. Produktionsdirektor bei Yo-Kai Watch war Ken Motomura, für die Story und das Design war aber Akihiro Hino verantwortlich, der auch schon Professor Layton entwickelt hat. Das Setting von Yo-Kai Watch besagt, dass es Geister gibt, die unsichtbar in der Menschenwelt herumstreifen und für Probleme sorgen - großteils nicht einmal aus böser Absicht, sondern einfach aufgrund der Aura, die sie ausstrahlen. So ist der lila Schwabbelgeist Tristine, der stark an ein Sleimok erinnert, früh im Spiel dafür verantwortlich, dass sich eure Eltern streiten. Und das beliebte Tanzlied Yo-Kai Exercise No. 1, das nicht nur als Ending der Anime-Serie fungiert, sondern auch Nintendo-Präsident Shibata in Nintendo Direct zum Abtanzen anregte, erzählt, dass die Geister daran Schuld sind, wenn wir verschlafen, Gemüse essen sollen oder unsere Fürze stinken. Kurzum: Die Geister sorgen für alles, was uns im Leben negativ erscheint!

Nintendo-Präsident Shibata tanzt den Yo-Kai-Tanz:


(eingebunden vom Youtube-Kanal Nintendo UK)

In dieser Welt lebt der 11-jährige Nathan Adams (kurz Nate), der in seinem Heimatstädtchen Lenzhausen gerade die Sommerferien genießt. Eines sonnigen Tages beim Käfersammeln mit seinen Freunden stößt Nate im Wald unter einem mächtigen Baum auf einen geheimnisvollen Kapselautomaten. Neugierig wirft er eine Münze ein, woraufhin dem Automat der weiße Geist Whisper entspringt. Er sieht von allen Spukerscheinungen aus Yo-Kai Watch noch am ehesten wie ein klassisches Gespenst aus und macht es sich ab sofort zur Aufgabe, Nate in die Welt der Geister einzuführen - in-game ist Whisper also eine Art Tutor für euch. Eine von Whispers ersten Aktionen besteht darin, euch mit der titelgebenden Geisteruhr, der Yo-Kai Watch, auszustatten: Sie wird wie eine Armbanduhr am Handgelenk getragen, zeigt aber nicht die Zeit an, sondern hat stattdessen einen Sensor, der die Geister für euch sichtbar macht. Von nun an ist es eure Aufgabe, die diversen Geister in der Stadt aufzuspüren und ihre Freundschaft zu gewinnen, damit ihr am Ende gemeinsam eine Chance habt gegen den fiesen Obergeist McKraken, der mit seiner Geisterbande die Menschenwelt überrennen will.

Doch so weit seid ihr noch lange nicht, wenn ihr mit Yo-Kai Watch am Handgelenk erstmals durch die Straßen lauft und auf die kleinste Regung der Sensornadel achtet. Zwischen diesem Moment und dem Abspann liegen gut und gerne 15 Stunden Spielzeit - wenn ihr zwischendurch viele Nebenaufgaben löst, mehr Geister sammelt und Geheimnisse sucht, können es auch schnell 20 Stunden und mehr werden. Und selbst danach ist das Spiel noch lange nicht abgeschlossen, denn auch nach dem Abspann erwartet euch noch eine ganz besondere Herausforderung, und außerdem will ja auch, in typischer Pokémon-Manier, eure Yo-Kai-Sammlung komplettiert werden.

Screenshot aus Yo-Kai Watch Screenshot aus Yo-Kai Watch
Ich glaub', ich hab' einen Geist gesehen: Nate staunt nicht schlecht, als ihm das weiße Gespenst Whisper erstmals begegnet. Werkzeug für Geisterjäger: Die titelgebende Yo-Kai Watch macht die Geister in der ganzen Stadt für euch (und nur für euch) sichtbar.

Yo-Kai Watch braucht vielleicht ein wenig, um in Fahrt zu kommen. Das liegt in erster Linie am Kampfsystem: Anders als in Pokémon und anderen RPGs, könnt ihr in Yo-Kai Watch keine Attacken einsetzen, eure Geister greifen von alleine an. Dadurch werden gerade in der Anfangsphase, wenn die Gegner noch schwach sind, die meisten Kämpfe von allein laufen, so dass ihr ohne eigenes Zutun gewinnen könnt. Gerade erfahrenere Rollenspieler gewinnen dadurch schnell den Eindruck, Yo-Kai Watch sei ein viel zu einfaches Kleinkinderspiel, bei dem ihr nur von hier nach dort rennen müsst, das aber keinerlei Herausforderung bietet. Ich sage euch: Lasst euch nicht vom ersten Eindruck täuschen und beißt euch durch diese langweilige Einstiegsphase! Behaltet immer im Hinterkopf, dass auch Taubsi und Rattfratz auf Route 1 keine übermächtigen Gegner waren! Es wird schnell der Augenblick kommen, da einer eurer Yo-Kai den Geist aufgibt, und wenn ihr tatsächlich euren ersten Kampf verloren habt (was bei mir im zweiten Boss Battle der Fall war), dann fragt ihr euch, was da schief gelaufen ist, was ihr anders machen könnt, und stürzt euch schnell wieder in den Kampf, um eure neue Strategie live zu erproben.

Wie gesagt, die Geister greifen im Kampf von alleine an - das heißt aber nicht, dass ihr keinen Einfluss auf den Kampfverlauf habt! Die Kämpfe sind eine Art Mischung aus Dreierkampf und Rotationskampf, wie man sie aus Pokémon kennt: Euer Team besteht aus sechs Geistern, von denen aber nur drei gleichzeitig an der Front stehen und kämpfen. Ihr könnt das Rad aber jederzeit drehen, um angeschlagene Geister aus der Schusslinie zu nehmen und gleichzeitig stärkere Kämpfer auf den Plan zu rufen. Zu euren weiteren Aktionen zählt das Ultiseel. Dabei handelt es sich um eine besonders starke Attacke, die jeder Geist auf seine Art beherrscht und die auch bei jedem Geist eine andere Wirkung hervorruft - der Regelfall ist aber immenser Schaden für den Gegner! Das Ultiseel muss zunächst aufgeladen werden, was zwar automatisch passiert, aber ziemlich lange dauert - gerade bei Boss Battles definitiv zu lange! Ihr könnt das Aufladen des Ultiseel aber beschleunigen, indem ihr entweder Items verwendet oder die Energie trefft, die von Zeit zu Zeit über die Kampffläche schwebt. Habt ihr das Ultiseel eingesetzt, gilt es, auf dem Touch Screen aktiv zu werden: Mit Mini-Aktionen wie dem Drehen eines Rades oder dem Nachzeichnen von Symbolen, helft ihr eurem Geist, die Attacke vorzubereiten - je besser ihr seid, desto schneller schlagt ihr zu, und in der Schlussphase des Spiels bei den allerstärksten Gegnern zählt hier tatsächlich jeder Sekundenbruchteil. Zudem habt ihr die Möglichkeit, bestimmte Gegner oder sogar nur bestimmte Körperteile der Gegner als Ziele zu markieren. Verzichtet ihr darauf, hauen eure Geister einfach dorthin, wo es ihnen gerade passt, doch manchmal erfordert eine Strategie, dass ihr beispielsweise zunächst die Tentakeln des Gegners lahmlegt, mit denen er euch immer haut, bevor ihr ihm dann ungehindert eins auf die Schnauze geben könnt.

Screenshot aus Yo-Kai Watch Screenshot aus Yo-Kai Watch
Dreierkampf: Bis zu sechs Geister stehen sich gleichzeitig gegenüber. Diese können auch fliegend ausgewechselt werden. Spezial-Attacke: Das Ultiseel ist ein besonders mächtiger Angriff - vorher müsst ihr ein Minispiel auf dem Touch Screen absolvieren.

Diese Kämpfe sind der hauptsächliche Spielinhalt von Yo-Kai Watch, dennoch gibt es auch drumherum viel zu entdecken. Abseits der Hauptstory stecken noch über hundert kleinere und größere Quests im Spiel, die ihr von den Stadtbewohnern erhaltet: Einen bestimmten Ort aufsuchen, ein bestimmtes Item finden, einen bestimmten Geist besiegen - die Aufträge sind abwechslungsreich, und wenn ihr sie erfüllt habt, erhaltet ihr nicht nur satte Erfahrungspunkte sondern dürft euch zudem eine witzige kurze Anime-Sequenz ansehen. Diese wiederholen sich zwar leider nach einiger Zeit, sind aber dennoch immer wieder nett anzusehen. Außerdem sind verschiedene kurze 4-Bilder-Mangas (so genannte Yonkoma) in der Spielwelt versteckt, die ihr dann am Bildschirm lesen und darüber schmunzeln dürft.

Dass das gesamte Abenteuer eigentlich nur auf eine einzige Stadt, nämlich das besagte Lenzhausen, begrenzt ist, klingt auf den ersten Blick ebenfalls nicht nach viel, doch erst im Spielverlauf offenbart sich euch, wie groß die Stadt wirklich ist - selbst Stratos City und Illumina City wirken im direkten Vergleich wie kleine Dörfchen! Bestimmte Gebäude wie die Schule, das Krankenhaus oder eine unheimliche Baustelle dienen als Dungeons, in denen die Story voran getrieben wird. In den Straßenzügen, die dazwischen liegen, könnt ihr weitgehend frei auf Erkundungstour gehen - ein kleiner Pfeil auf der Karte zeigt euch zwar immer an, in welcher Richtung euer nächstes Ziel liegt, aber diesem müsst ihr natürlich nicht stur folgen. Aufpassen solltet ihr nur, dass ihr nicht zu sehr die Zeit vergesst, denn ein etwas nerviger Bestandteil von Yo-Kai Watch ist die so genannte Schreckenszeit: Sie kann jederzeit zufällig beginnen, wenn ihr in der Oberwelt herumlauft, aber je länger ihr euch nicht an die Story haltet, desto höher steigen die Chancen auf eine Schreckenszeit. Ihr werdet dann in ein schattenhaftes Ebenbild der Spielwelt gezogen und müsst den Ausgang finden, bevor euch der rote Oni erwischt, der Jagd auf euch macht. Gemeinerweise sind auch einige wertvolle Items in der Schattenwelt versteckt, und wer sich die Zeit nimmt, diese zu suchen, schafft sich so einen gewissen Nervenkitzel.

Screenshot aus Yo-Kai Watch Screenshot aus Yo-Kai Watch (Anime)
Leben in der großen Stadt: Lenzhausen wirkt klein, ist aber eine Metropole im Vergleich zu Dörfchen wie Illumina City. Alptraum: Während der Schreckenszeit flieht ihr in einer schattenhaften Parallelwelt vor einem roten Oni. (Screenshot aus dem Anime)

Nach dem Durchspielen der australischen Version bin ich persönlich von Yo-Kai Watch überzeugt und kann den Hype verstehen, der in Japan um das Spiel entstanden ist - und das sage ich gerade als eingefleischter Pokémon-Fan seit beinahe 20 Jahren. Mein Herz wird auch weiterhin für die Taschenmonster schlagen, aber die Geister waren eine willkommene Abwechslung, und das in der bewährten Level-5-Qualität. So freue ich mich nicht nur auf Pokémon Sonne & Mond, sondern werde mir sicher auch Yo-Kai Watch 2 ansehen, wenn es seinen Weg in den Westen finden sollte. Das "ob" ist dabei eigentlich nicht die Frage, da die ersten neuen Geister bereits englische Namen erhalten haben, nur auf das "wann" werden wir wohl erst in einigen Monaten eine Antwort bekommen. In Japan hingegen ist Yo-Kai Watch 2 bereits im Juli 2014 erschienen, und dieses Jahr soll sogar schon der dritte Teil folgen. Da liegen also noch viele vergnügliche Geisterstunden vor uns!


Yo-Kai Watch VS. Pokémon

Yo-Kai Watch wird gerade von westlichen Medien oft als Pokémon-Kopie bezeichnet - ein Vergleich, den Level-5 nicht gerne sieht. Wie ähnlich sind sich die beiden Franchises also tatsächlich? Natürlich kommt eine oberflächliche Ähnlichkeit schon daher, dass beide Spiele Monstersammel-RPGs sind. So ist es klar, dass in beiden Spielen die 100%-Zocker den Anreiz haben, ihre Monstersammlung zu komplettieren - was bei Yo-Kai Watch gar nicht möglich ist! Die Bossgeister können nämlich nicht eurem Team einverleibt werden, sondern sind lediglich zum Besiegen da. Das bringt mich zu einer witzigen Anekdote aus Pokémon Rot & Blau: Bei meinem ersten Durchlauf vor nunmehr 16 Jahren habe ich Zapdos im Kraftwerk besiegt und danach auch noch stolz gespeichert, weil ich dachte, ich hätte einen Endgegner erledigt. Tatsächlich kann man in Pokémon aber jedes Monster, das eine Pokédex-Nummer hat, auch fangen - in Yo-Kai Watch sind nur die ersten 223 der insgesamt 245 Geister für euer Medallium gedacht, der Rest soll lediglich besiegt werden.

Screenshot aus Yo-Kai Watch Screenshot aus Pokémon Rot & Blau
Ist nicht zum Fangen da: Bosse wie Wabbelwutz müsst ihr einfach nur besiegen, könnt sie aber nicht eurer Sammlung hinzufügen. Hätte ich fangen können: Zapdos würde in meinem Pokéball schlummern, wenn ich es damals nicht umgenietet hätte.

Dennoch, 223 Geister könnt ihr fangen, wobei "fangen" aber das falsche Wort ist. Das Fangen läuft in Yo-Kai Watch nämlich völlig anders. Pokébälle gibt es in Lenzhausen nicht, Yo-Kai-Bälle auch nicht. Nach einem Kampf freundet sich ein Geist vielleicht mit euch an - ob er das tut, entscheidet der Zufall. Ihr könnt eurem Glück aber auf die Sprünge helfen, indem ihr dem Geist während des Kampfes sein Lieblingsfutter zuwerft, wobei es meist mehrere Versuche braucht, herauszufinden, was der Geist am liebsten mag. Und auch die absolute Leibspeise ist noch lange keine Freundschaftsgarantie. Die Geister, deren Vertrauen ihr gewonnen habt, überlassen euch dann aber ihre Medaille, und diese wiederum nutzt ihr, um die Geister im Kampf herbeizurufen, wobei ihr immer sechs Medaillen gleichzeitig dabeihaben könnt, was einem Team von sechs Geistern entspricht. Den Rest ordnet ihr in euer Sammelalbum, das so genannte Medallium ein, welches ihr in eurem Zimmer findet. Dort könnt ihr die Medaillen natürlich jederzeit austauschen.

Genau wie Pokémon erhalten aber auch Geister nach dem Kampf Erfahrungspunkte und steigen mit der Zeit im Level. Einige Geister entwickeln sich beim Erreichen eines bestimmten Levels auch weiter - ganz wie bei Pokémon! Zusätzlich habt ihr aber die Möglichkeit, zwei Geister zu fusionieren, um neue Exemplare zu erhalten. Die Fusion ist allerdings endgültig, die beiden Ausgangsgeister sind hinterher also weg. Züchten könnt ihr die Geister dagegen nicht, und Shiny Geister sucht ihr ebenfalls vergeblich. Dafür gibt es aber einige Geister in unterschiedlichen Varianten, die ähnlich aussehen, wohl miteinander verwandt sind, sich aber nicht ineinander entwickeln - beispielsweise die Spiegelgeister Portalex und Spekulump. Oder diverse niedliche Katzen-Geister, von denen Jibanyan das bekannteste, aber bei Weitem nicht das einzige ist.

Screenshot aus Yo-Kai Watch Screenshot aus Yo-Kai Watch
Fuuuuusion - ha! Anders als Pokémon, könnt ihr zwei Geister miteinander verschmelzen, um neue Arten zu erschaffen. Nate hinter den Spiegeln: Der Spiegelgeist Portalex gibt euch die Möglichkeit, schnell und bequem durch die Spielwelt zu reisen.

Feldattacken wie Fliegen, Surfer oder Zerschneider existieren in Yo-Kai Watch ebenso wenig. Das bedeutet gerade am Anfang viel Lauferei, zumal ihr nicht dauerhaft schnell laufen könnt - nach einigen Metern macht ihr sonst schlapp und müsst eine Weile lang im normalen Tempo gehen, bis sich eure Ausdauer regeneriert hat. Erst in der späten Mittelphase der Hauptstory erhaltet ihr ein Fahrrad, das ähnlich wie der Drahtesel in Pokémon funktioniert. Um schnell von A nach B zu kommen, könnt ihr - allerdings auch erst spät im Spiel - den Spiegelgeist Portalex nutzen: Jeweils ein Exemplar wartet an allen wichtigen Orten auf euch, und zwischen allen bekannten Portalex könnt ihr euch nach Belieben hin und her teleportieren. Das ist ein wenig vergleichbar mit dem Fliegen aus Pokémon, nur mit dem Unterschied, dass ihr zunächst ein naheliegendes Portalex als Ausgangspunkt aufsuchen müsst. Übertragen auf Pokémon würde das bedeuten, dass ihr erst in die nächste Stadt rennt, bevor ihr von dort aus abfliegen dürft.

In den meisten wichtigen Läden, am Eingang jedes Dungeons und vor jedem Bosskampf findet ihr eine bläuliche Flamme namens Au-Kai, an der ihr die KP eurer Geister vollständig wieder herstellen könnt. Zudem könnt ihr an diesen Heilpunkten die Geister in eurem Team austauschen (wie an einem Computer im Pokémon Center) und schließlich euren Spielstand speichern - was aber, abgesehen von Dungeons, auch ansonsten überall auf der Oberwelt möglich ist.

Screenshot aus Pokémon Schwarz & Weiß Screenshot aus Yo-Kai Watch
Willkommen im Pokémon Center: Hier könnt ihr eure Monsterchen heilen lassen und oft auch einkaufen - man kennt das ja! Quasi das Yo-Kai Center: Im Immerda-Markt bekommt ihr alles, was ihr braucht, und könnt zudem eure Yo-Kai vollständig heilen.

Wer an Pokémon gewöhnt ist, der wird die Grundidee von Yo-Kai Watch schnell verstehen, muss sich im Detail aber stark umgewöhnen. Habt ihr die etwas ernüchternde Anfangsphase überstanden, offenbart das Spiel sein wahres Potential und kann richtig fesseln. Würde ich Yo-Kai Watch für Pokémon-Fans weiter empfehlen? Definitiv ja! Gerade um das halbe Jahr Wartezeit bis zum Release von Pokémon Sonne & Mond zu überbrücken, sind die Geister perfekt. Würde ich Yo-Kai Watch auch empfehlen, wenn ihr etwa zwischen dem Geisterspiel und einer Pokémon-Edition unentschlossen seid? Kommt drauf an, beide Spiele haben ihre Vorzüge. Pokémon hat natürlich eine größere Community, ist aber womöglich für Neueinsteiger inzwischen etwas zu unübersichtlich mit 721+ Pokémon in bislang sechs Generationen. Und tatsächlich war Yo-Kai Watch sowohl 2014 als auch 2015 in Japan erfolgreicher als Pokémon. Das heißt noch lange nicht, dass Pokémon im Land der aufgehenden Sonne out wäre, zeigt aber doch einen Trend an. Grundsätzlich macht ihr aber mit keinem von beiden Spielen etwas falsch, sie können auch gut nebeneinander existieren. Und ob wir im Jahr 2033 so groß #yokaiwatch20 feiern, wie dieses Jahr #pokemon20 gefeiert wurde, nun, das bleibt abzuwarten.


Jibanyan

Der Katzengeist Jibanyan ist quasi das Pikachu von Yo-Kai Watch, wenn man es so ausdrücken möchte - das niedliche Kätzchen maunzte sich schnell in die Herzen der japanischen Spieler und ist inzwischen zum Maskottchen des Franchise aufgestiegen, was man auch an diversem Merchandise merkt.

Jibanyans Hintergrundgeschichte ist ein wenig traurig, wird im Spiel und vor allem im Anime aber witzig erzählt. Zu Lebzeiten war Jibanyan das Kätzchen der kleinen Amy, und die Liebe der beiden füreinander war unvergleichlich. Dann wurde Jibanyan aber eines Tages von einem LKW überfahren und ist seither als Geist an die fatale Kreuzung gebunden. Amy hatte Jibanyan nach dessen Tod als einen Schwächling bezeichnet, was den Kater hart getroffen hat, daher attackiert er LKWs, weil er hofft, so die Liebe seiner alten Besitzerin zurück zu erlangen - was aber nur zu immer neuen Unfällen führt. Nate und Whisper versuchen, hinter das Geheimnis dieser verfluchten Kreuzung zu kommen, und können schnell das Herz von Jibanyan gewinnen. Das passiert bereits in der zweiten Anime-Episode - und auch im Spiel lernt ihr Jibanyan schon früh in der Hauptstory kennen.

Foto eines Plüsch-Jibanyan Screenshot aus Yo-Kai Watch
Kuschelkätzchen für zu Hause: In Japan gibt es Unmengen an Merchandise zu Jibanyan, etwa Plüschis. Bald auch bei uns? Verfluchte Kreuzung: Weil Jibanyan glaubt, es mit LKWs aufnehmen zu können, kommt es hier immer wieder zu Unfällen.

Jibanyan behält, genau wie Pikachu, in allen Lokalisierungen seinen japanischen Namen bei. Dieser setzt sich zusammen aus dem Begriff "Jibakurei" und dem Laut "nyan", was in Japan für das Miauen einer Katze steht. Der Begriff "Jibakurei" hingegen lässt sich nicht wörtlich übersetzen, bedeutet aber in etwa, dass Geister an bestimmte Orte oder Gegenstände gebunden sind - Jibanyan eben beispielsweise an die Kreuzung, an der er überfahren wurde.

Wie viele andere Geister in Yo-Kai Watch, hat auch Jibanyan eine Vorlage in der realen japanischen Mythologie, in diesem Fall Nekomata. Dabei handelt es sich um einen bösartigen Katzendämon mit zwei Schwänzen, der sich von Menschenblut ernährt. Nekomata leben angeblich in den Bergregionen Japans, können sich aber auch aus normalen Hauskatzen entwickeln. Erstmals erwähnt wurden Nekomata Anfang des 14. Jahrhunderts, als ein Priester bei Kyoto von einem Katzendämon berichtete, der Menschen entführt und auffrisst. Seither sind viele weitere Legenden um die Nekomata entstanden, die sich gut in den in Japan allgemein verbreiteten Geisterglauben einfügen.

Zeichnung eines Nekomata (1737) Screenshot aus Yo-Kai Watch (Anime)
Bösartige Vorlage: Jibanyan basiert auf Nekomata, einem Katzendämon aus der japanischen Kultur • Zeichnung von Sawaki Suushi aus dem Jahr 1737 Keine Katzenmusik: NyaKB steuerten tatsächlich ein Ending zu Yo-Kai Watch bei - in welchem sie dann auch selbst als Cat Girls auftraten!

Jibanyan ist glücklicherweise nicht annähernd so bösartig wie ein Nekomata, sondern eher das genaue Gegenteil. Das Kuschelkätzchen ernährt sich nicht von Blut sondern von Schokoriegeln, außerdem liebt es die Musik von NyaKB48 - eine erkennbare Anspielung auf die Idolband AKB48, die man als Europäer in erster Linie für den Song Sugar Rush aus Disney's Ralph reicht's kennt, und die für den Yo-Kai Watch-Anime später tatsächlich ein Ending beisteuerten.

Weiterentwickeln könnt ihr Jibanyan übrigens nicht, dafür aber auf zwei verschiedene Arten fusionieren: Aus Jibanyan und dem Prügelknaben Rebelzebub wird die Punkkatze Grobianyan. Jibanyan und der Kastaniengeist Hustanie verschmelzen hingegen zu der Pflanzenkatze Dornyan. Da fällt die Entscheidung schwer - vor allem, so lange ihr im Hauptspiel nur ein einziges Jibanyan besitzt, das ihr am liebsten auch noch so belassen wollt, wie es ist. Erst nach dem Abspann könnt ihr in einem zusätzlichen Dungeon weitere Jibanyans finden, die euch helfen, eure Sammlung zu vervollständingen.


Bildnachweis: Alle Screenshots in diesem Artikel sind selbst erstellt. Das Copyright liegt bei den Rechteinhabern der jeweiligen Filme, Serien und Spiele.
Pokémon: © Nintendo, Creatures Inc., GAME FREAK inc., Yo-Kai Watch: © Level-5, Yo-Kai Watch (Anime): © OLM, Level-5


Letzte Änderung: 15.04.2017 • ImpressumDatenschutzNach oben